7. August 2006
Platzverweis für Vattenfall
Die Umweltorganisationen ROBIN WOOD, BUND, NABU und die GRÜNE LIGA haben sich mit einem offenen Brief an die Kommission der Europäischen Gemeinschaft gewandt und den Erhalt der Lacomaer Teiche nahe Cottbus gefordert.
Das Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG beabsichtigt, das Gebiet durch den Tagebau Cottbus-Nord in Anspruch zu nehmen. Die Braunkohlebagger sind bereits bis auf wenige hundert Meter an das Schutzgebiet herange-rückt, während die Kommission erst noch eine Stellungnahme zu dem Vorhaben abgeben soll.
"Die Umweltorganisationen appellieren an die EU-Kommission, die wirtschaftlichen Interessen eines Energiekonzerns nicht höher zu bewerten als den Naturschutz", so Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Der Konzern Vattenfall will sich auf Kosten eines wertvollen Schutzgebietes die enormen Gewinne aus der Braunkohleverstromung sichern."
Auf einer Fläche von 300 ha hat sich im Lacomaer Teichgebiet über Jahrhunderte ein außergewöhnlich vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume entwickelt. Hier leben über 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten, darunter Rotbauchunke, Fischotter und Rohrdommel. 2003 wurde die Lacomaer Teichlandschaft als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Schutzgebiet nach Brüssel gemeldet, nachdem die Kommission wegen der unterlassenen Meldung bereits ein Vertrags-verletzungsverfahren gegen Deutschland eröffnet hatte.
Der Energiekonzern Vattenfall Europe will die unter den Teichen liegenden zirka 40 Mio. Tonnen Braunkohle im Kraftwerk Jänschwalde verstromen. Da dies die völlige Zerstörung des Gebietes bedeuten würde, wurde die EU-Kom-mission vom Land Brandenburg im Rahmen der FFH-Verträglichkeitsprüfung um eine Stellungnahme gebeten. Den Umweltorganisationen liegen Informationen vor, wonach mit dieser Stellungnahme in den nächsten Wochen zu rechnen ist.
Vattenfall rechtfertigt die Zerstörung des FFH-Gebietes mit einem "übergeordneten öffentlichen Interesse". Angeblich sei nur durch die Verstromung der Braunkohle unter den Lacomaer Teichen die Versorgungssicherheit, stabile Strom-preise und der Erhalt der Arbeitsplätze in der Region gewährleistet. Diese Argumente widerlegen die Naturschutz-verbände in ihrem heutigen Schreiben an die Kommission.
So ist Deutschland und insbesondere Brandenburg ein Strom-Exportland : 50 Prozent der in Brandenburg erzeugten Energie werden in andere Bundesländer oder ins Ausland exportiert. Eine Gefährdung der Versorgungssicherheit wird es daher nicht geben, wenn der Tagebau Cottbus-Nord vor den Lacomaer Teichen zum Stehen kommt. Auch die Behauptung des Unternehmens, nur durch das geplante Vorhaben können Hunderte von Kernarbeitsplätzen gesichert werden, wurde von den Umweltorganisationen als Scheinargument entlarvt.
Mit dem offenen Brief werden dem EU-Kommissar für Umwelt Stavros Dimas, dem Kommissar für Energie Andris Piebalgs und dem deutschen Kommissar für Unternehmen und Industrie Günter Verheugen eine CD-ROM mit 2.541 online-Unterschriften übersandt, in denen der Erhalt der Lacomaer Teiche gefordert wird.
Weitere Informationen:
Bettina Dannheim, Energiereferentin, ROBIN WOOD, Tel.: 040 / 380 892 21 oder energie@robinwood.de
Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer BUND Brandenburg, Tel.: 0331 / 237 00 141 oder bund.brandenburg@bund.net
Den offenen Brief der Umweltorganisationen an die EU-Kommission finden Sie hier: