7. Juli 2006

Schweinemast in Haßleben bedroht Natur und Wirtschaft in der Uckermark

Bundespräsident Horst Köhler würdigt mit seinem heutigen Besuch im Naturpark Uckermärkische Seen die 50-jährige Erfolgsgeschichte der deutschen Naturparke.

Hier werden naturverträgliches Wirtschaften und die Förderung des Tourismus in den Vordergrund gestellt. Die Naturparke im Osten beherbergen dazu noch einen großen Teil des „Tafelsilbers“ der deutschen Naturlandschaften.

Während in Thomsdorf die Erfolge des Naturschutzes gefeiert werden, laufen auf der anderen Seite des Naturparks für den riesigen Komplex der ehemaligen Schweinemastanlagen in Haßleben die Planungen für den erneuten Betrieb des größten Schweinestalles in Deutschland unvermindert weiter. 85.000 Tiere sollen hier einmal gleichzeitig gehalten werden.

Der Ort liegt keine zwei Kilometer vor dem Naturpark. Die anfallende Gülle soll durch Landwirte zu einem großen Teil in der hügeligen und seenreichen Landschaft des Naturparks ausgebracht werden.

Derzeit gibt es einen Probebetrieb mit einigen hundert Schweinen. Das gesamte Niederschlagswasser der über 22 Hektar großen Dachfläche und der betonierten Wege wird ungereinigt über einen Graben in den Kuhzer See eingeleitet. Diesen See hat vor einigen Jahren der Förderverein des Naturparks gekauft, um die Wasserqualität und die Lebensräume bedrohter Arten weiter zu verbessern.

Der See ist Bestandteil eines Naturschutzgroßprojektes, das vor zehn Jahren von der damaligen Umweltministerin Angela Merkel (CDU) ins Leben gerufen wurde. Die Gelder für den Flächenkauf stammen vom Bund, vom Land Brandenburg und aus zahlreichen privaten Spenden. Mit der Inbetriebnahme der Schweinemast werden nicht nur die sich inzwischen abzeichnenden Erfolge des Naturschutzgroßprojektes ernsthaft gefährdet, befürchten die Naturschützer der Region.

"Auch die Tourismuswirtschaft, die sich in der Templiner Region immer noch positiv entwickelt, dürfte einen starken Dämpfer bekommen" fürchtet Thomas Volpers, Sprecher des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in der Uckermark. Er ist Naturführer und sieht auch seine berufliche Existenz bedroht. Abgesehen vom Imageschaden für die Region wird vor allem der erhebliche Schwerverkehr durch Gülle-Lkw auf den landwirtschaftlichen Wegen die Erholungssuchenden tatsächlich belästigen. Davon werden auch die zahlreichen neuen Radwege, in die viel Geld geflossen ist, nicht ausgenommen.

Die zunehmende "industrielle Schweineproduktion" führt nachweislich auch zum "Bauernsterben". Der Deutsche Bauernverband (DBV) beklagt in seinem Situationsbericht 2005 einen Rückgang schweinehaltender Betriebe um 12% bei gleichbleibender Tierzahl.

Weitere Informationen finden Sie auch unter:

www.kontraindustrieschwein.de




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