10. Juli 2006

Streusalz ruiniert die Alleen!

Potsdam, 10.07.2006

Wer denkt mitten im Sommer schon an Streusalz? Niemand. Dabei sind die Schäden, die das Salz an Straßenbäumen verursacht, jetzt besonders gut zu sehen. Darauf wies heute die "Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen" mit einer Transparent- und Kletteraktion an der Kreisstraße zwischen Saarmund und Nudow bei Potsdam hin. Um schlimmere Schäden zu verhindern, wollen die Alleenschützer jetzt Druck auf Brandenburgs Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) sowie die zuständigen Ämter in den Kommunen machen, damit ab dem kommenden Winter der Tausalzeinsatz auf Brandenburger Alleen stark eingeschränkt wird.

"Salz in die Suppe und nicht auf die Straße!" und "Schluss mit der Alleenpökelei", so steht es auf den Transparenten, die Aktivisten der Umweltorganisation ROBIN WOOD zwischen die Bäume gehängt haben. Am Straßenrand haben Mitglieder von BUND und NABU maßstabsgetreue Salzpakete platziert, um den AutofahrerInnen vor Augen zu führen, wie viel Salz jedes Jahr auf Brandenburgs Straßen landet. Die Umweltorganisationen, die sich vor sechs Jahren mit zahlreichen weiteren Verbänden und Personen zur "Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen" zusammengeschlossen hatten, protestieren gegen den Winterdienst, der keine Rücksicht auf die Alleen nimmt.

Der Einsatz von Tausalz hat sich seit dem Winter 99/2000 mehr als verdoppelt. Nach Angaben des Landesverkehrsministeriums wurden damals ca. 30.000 Tonnen Salz auf Bundes-, Landesstraßen und Autobahnen in Brandenburg gestreut. Im Winter 2003/04 waren es dann 40.000 Tonnen und im vergangenen Winter sogar 80.000 Tonnen. Das entspricht 160 Millionen handelsüblichen Salzpäckchen, die aneinandergereiht die halbe Erdkugel umspannen würden.

Weil die Bäume zuviel Salz schlucken müssen, verfärben sich ihre Blätter bereits im Juli vom Rand her braun. Blattrand-Nekrose heißt dies im Fachjargon. Die Bäume verlieren frühzeitig ihre Blätter, ihre Baumkronen erden schütter. "Wer Salz auf die Alleen streut, nimmt den schleichenden Tod der Straßenbäume unweigerlich in Kauf", sagt Wolfgang Mädlow von der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen. "Wir vermissen die nötige Sensibilität bei den Straßenbaubehörden, denen oft nicht bewusst ist, dass sie Gift in die Landschaft streuen". Viel zu oft werde Salz völlig überflüssig bei trockenen Frostwetterlagen verstreut. Die Folgeschäden seien zur Zeit fast flächendeckend an den Alleen in Brandenburg zu beobachten.

Die "Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen" appelliert an alle Bürger, ihre Kommunen auf die Schäden an den Bäumen hinzuweisen und sie zum Verzicht auf das Streusalz aufzufordern. Alternativen gibt es. Der Winterdienst kann an baumbestandenen Straßen vor allem durch mechanisches Räumen - so genanntes "Schwarzräumen" - gewährleistet werden. Wenn dies allein nicht ausreicht, können auch abstumpfende Mittel wie Sand und Splitt eingesetzt werden.

Weitere Informationen zum Alleenschutz finden Sie hier auf unseren Internetseiten.

Für Rückfragen:

Christiane Weitzel, ROBIN WOOD: 0171 / 37 26 488 oder 03332 / 25 20 10

Silke Friemel, BUND Brandenburg: 0160 / 98 14 62 93 oder 0331 / 23 700 142

Wolfgang Mädlow, NABU Brandenburg: 0178 / 33 64 171 oder 0331 / 201 55 70

*Die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen wurde im November 2000 in Potsdam von über 45 VertreterInnen von Umwelt- und Verkehrsverbänden als Netzwerk gegründet. BUND, NABU, ROBIN WOOD, Bündnis90/Die Grünen LV Brandenburg, Aktionsgemeinschaft Baumschutz und Kräuterhexen e.V. stellen zur Zeit die SprecherInnen. Die Schutzgemeinschaft setzt sich für den Schutz und die Entwicklung bestehender Alleen ein und wacht darüber, dass die Alleen nicht aus dem Landschaftsbild verschwinden.




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