10. Mai 2006
Zu viel Feinstaub in Potsdamer Luft
Potsdam, 10.05.2006:
Aktive der Landesverbände Brandenburg und Berlin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) haben heute an der Zeppelinstraße in Potsdam gegen die viel zu hohe Feinstaubbelastung demonstriert. Symbolisch sammelten sie den giftigen Feinstaub mit Müllsäcken ein. Anlass war die 38. Überschreitung der zulässigen Grenzwerte in der Zeppelinstraße am vergangenen Montag (08.05.2006), erlaubt sind maximal 35 Überschreitungstage pro Jahr. Der BUND forderte die Errichtung einer Umweltzone in der Potsdamer Innenstadt, in der ältere Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter nicht mehr fahren dürfen.
Potsdam ist nach Frankfurt (Oder), Cottbus und Bernau die vierte Stadt im Land mit zu hoher Feinstaubbelastung. Bereits 2005 hatte die Landeshauptstadt die Grenzwerte gerissen. In der Zeppelinstraße, Behlertstraße, Kurfürstenstraße, Breite Straße, Leipziger Straße, Michendorfer Chaussee und in der Berliner Straße im Innenstadtbereich war die Belastung mit den gesundheitsgefährdeten Partikeln im vergangenen Jahr zu stark. Ein erster Entwurf für einen Luftreinhalteplan liegt zwar mittlerweile vor, aber wahrscheinlich erst im Spätsommer bzw. Herbst ist mit seiner Umsetzung zu rechnen.
Dabei ist gerade schnelles Handeln unumgänglich. "Die Jahreshälfte ist noch nicht erreicht und schon sind die Jahresgrenzwerte überschritten. Es muss schnell gehandelt werden, schließlich sterben jedes Jahr tausende Menschen an den Folgen der Feinstaubbelastung“, betont Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg.
Deshalb fordert der BUND die Errichtung einer Umweltzone mit Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter und entsprechende EU-Abgasnorm. Nur so könne die Feinstaubbelastung in der Innenstadt flächendeckend gesenkt werden. Schließlich seien die Rußpartikel aus Diesel-Kraftfahrtzeugen besonders gefährlich.
Zum Hintergrund:
Feinstaub (particulate matter- PM 10) – das sind winzige Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer, die massenhaft durch die Luft schwirren. Sie stammen von Heizungs- und Industrieanlagen sowie Baustellen, vor allem aber aus den Auspuffrohren von Kraftfahrzeugen. Dabei sind die ultrafeinen Rußpartikel aus Diesel-Kraftfahrzeugen besonders gefährlich. Hinzu kommen Partikel, die entstehen, wenn sich Autoreifen auf dem Asphalt abreiben sowie aufgewirbelter Straßenstaub.
Der Feinstaub gelangt wegen seiner winzigen Größe ungehindert in Lunge und Blutbahn und kann so Asthma, Bronchitis, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Mehrere tausend Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen von Feinstaubbelastung.
In ganz Deutschland hatten bis zum 7. Mai bereits 23 Städte die Feinstaubgrenzwerte an mehr als den erlaubten 35 Tagen überschritten. In Frankfurt (Oder) wurden bereits 52 Überschreitungstage gemessen, in Cottbus 47 und in Bernau 43 Tage (Stand: 09.05.).
Links:
Die aktuelle Tabelle der Messstellen in Brandenburg (die Anzahl der Überschreitungstage verbirgt sich hinter THW > 50): www.luis-bb.de/i/ubis/I7100014/.
Hier finden Sie unsere Pressemitteilung zur Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte in Cottbus vom 28.03.2006.
Hier finden Sie unsere Pressemitteilung zur Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte in Frankfurt (Oder) vom 28.03.2006.
Pressekontakt:
Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND-Brandenburg, Tel: 0331-23700-141, E-Mail: bund.brandenburg@bund.net.
Martin Schlegel, Verkehrsreferent des BUND Berlin, Tel. 030-787900-17. Mobil: 0160-7624387, E-Mail: schlegel@bund-berlin.de.