12. Dezember 2007
Atomstrom für Potsdam? Nein danke, Herr Paffhausen!
Der Geschäftsführer der Potsdamer Stadtwerke (EWP) Peter Paffhausen prüft seit Anfang dieser Woche die Möglichkeit, einen zu hundert Prozent aus Atomstrom bestehenden Tarif für Potsdam anzubieten. Der BUND lehnt den bundesweit erneut schwer in die Kritik geratenen Atomstrom für Potsdam ab.
Medienberichten zufolge haben in den letzten Monaten mehr als 6000 Potsdamer Kunden der EWP den Rücken gekehrt und sind zu einem anderen Stromanbieter gewechselt. Als Reaktion darauf möchte Paffhausen billigen Atomstrom einkaufen und diesen zu 100 Prozent an die Potsdamer weitergeben.
„Der Atomausstieg ist bereits gesetzlich festgelegt, und deutschlandweit läuft sehr erfolgreich die Kampagne ,Atomausstieg selber machen’. Unter diesen Vorzeichen wieder auf den unsicheren Atomstrom zu setzen, ist der falsche Weg. Anstatt teure Stadtwerkefeste abzuhalten und Sozialtarife einzuführen, von denen ein Hartz IV-Empfänger überhaupt nichts hat, sollte die EWP lieber in stromsparende Technik investieren und Energiesparlampen an die Potsdamer verteilen“, so Jost Kremmler vom BUND Kreisverband Potsdam.
Der BUND fordert den Leiter der Stadtwerke dazu auf, komplett auf Atomstrom zu verzichten und stattdessen sein Ökostromangebot auszuweiten und in Zukunft energischer in die erneuerbaren Energien zu investieren. Kommunale Gebäude mit Solaranlagen auszustatten sind da nur ein erster Schritt.
Jeder Haushalt kann Energie einsparen und letztlich dadurch seinen kleinen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. So empfiehlt der BUND in seinem „Stromspar 1x1“ Elektrogeräte komplett vom Stromnetz zu trennen und nicht unnötig im „Stand-by-Modus“ zu belassen. Beim Neukauf eines Fernsehers sollte bedacht werden, dass Plasma-Geräte 5-8 mal mehr Energie benötigen als herkömmliche Röhren-Fernseher. Ähnliches gilt für Kühlschränke, da sie in der Regel die größten Stromverbraucher im Haushalt sind. Hier sollten Neugeräte mindestens die Kategorie A+, am besten A++ erfüllen. Weitere Infos zum Strom sparen finden sich unter: www.bund-brandenburg.de.
Hintergrund zum Atomstrom
Erst vor ein paar Tagen wurde anhand einer wissenschaftlichen Studie unter Leitung der Mainzer Epidemiologin Maria Blettner bekannt, dass Leukämieerkrankungen bei Kindern in der Nähe von Atomreaktoren signifikant höher sind. Blattner belegte eindrucksvoll, dass zwischen den Jahren 1980 und 2003 im Umkreis von fünf Kilometern um Kernkraftwerke 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie, erkrankt waren. Im statistischen Durchschnitt seien 48 Krebs- beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten gewesen. Etwa 20 Neuerkrankungen seien also allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen.
Pressekontakt: Jost Kremmler, BUND Kreisverband Potsdam, Tel. 0331-23700143, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net