21. Dezember 2007
Kein wirtschaftlicher Bedarf für Havel und Spreeausbau - BUND fordert Verkehrsminister Dellmann auf, nicht länger am Havelausbau (VDE 17) festzuhalten
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann aufgefordert, seine Position für den weiteren Ausbau von Havel und Spree für große Rheinschiffe zu revidieren. Angesichts der realen Entwicklung der Binnenschifffahrt in Berlin und Brandenburg, der Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro und der mit einem Ausbau der Flüsse einhergehenden Naturzerstörung sei das Festhalten des Landes Brandenburgs an der Fortführung des Wasserstraßenprojektes VDE 17 nicht nachvollziehbar.
Burkhard Voß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg: „Statt pauschal mit der Verlagerung von Güterverkehren von der Straße auf Binnenschiffe zu argumentieren, muss Verkehrsminister Dellmann endlich eine konkrete Begründung für die beabsichtigte Zerstörung von Havel und Spree auf den Tisch legen. Oder aber er setzt sich für einen Stopp der Dinosaurierplanung aus der Nachwendezeit ein. Durch die bereits realisierten Bauabschnitte können bereits heute Binnenschiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 1.500 t bzw. 50 Lkw-Ladungen Berlin und Brandenburg anfahren. Aufgrund abnehmender Massenguttransporte sind die Schiffe aber im Durchschnitt nur zur Hälfte beladen. 3000 t Schiffe werden von daher nicht benötigt. Sobald die Anhebungen der Brücken abgeschlossen sind, ist auch ein zweilagiger Containerverkehr nach Berlin möglich. Für diesen ist aber ebenfalls keine weitere Vertiefung und Verbreiterung der Wasserwege erforderlich. Angesichts dieser Fakten haben wir daher den Verkehrsminister Dellmann gebeten, uns diejenigen Unternehmen zu benennen, die tatsächlich noch größere Schiffe für ihre Gütertransporte brauchen. Beim BUND hat in der nun seit 15 Jahren laufenden Diskussion um VDE 17 noch kein Unternehmen gemeldet, dass diesen Bedarf sieht.“
Winfried Lücking, Flussexperte des BUND: „Die überzogenen Uraltplanungen des VDE 17 gehören schon alleine wegen der Vernichtung von wertvollen Naturräume an den Flüssen in den Papierkorb. Entlang der Spree in Spandau und dem Sacrow-Paretzer-Kanal in Brandenburg sollen jeweils rund 1000 Bäume gefällt werden, um das Flussbett zu verbreitern und zu vertiefen. Zudem wird der Wasserhaushalt in Berlin und Brandenburg beeinträchtigt.“
Da nach Abschluss der Planfeststellungsverfahren bereits 2008 die ersten Bagger rollen sollen, hat der BUND gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Grünen Liga Berlin, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und dem Aktionsbündnis gegen den Havelausbau eine Kampagne für die Beendigung des Ausbaus von Havel und Spree gestartet. Unter www.stopp-havelausbau.de können Bürger und Unternehmen ihr eigenes Stoppsignal setzen, um Politik und Verwaltung zu einer Aufgabe der beabsichtigen Naturzerstörung zu bewegen.
Pressekontakt: Burkhard Voß, Landesvorsitzender BUND Brandenburg, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net