13. November 2007
Vattenfall nimmt Klimaschutz nicht ernst
Nach einem Bericht des Tagesspiegels vom 10.11.07 möchte der Energiekonzern Vattenfall die Braunkohlefördermenge in Brandenburg schrittweise von jetzt 40 Millionen Tonnen auf 23 Millionen Tonnen bis zum Jahre 2040 reduzieren. Wird jetzt Vattenfall zum Klimaretter? Nein – sagt der BUND, da in Sachsen genau das Gegenteil passiert.
Derzeit investiert Vattenfall massiv in Boxberg (Sachsen) in neue Kraftwerksblöcke. Das Braunkohlekraftwerk in Sachsen erbringt derzeit eine Leistung von 1.900 Megawatt. Mit dem zusätzlichen Block R sollen im Jahr 2011 weitere 630 Megawatt ans Netz gehen. Dafür soll der 1990 stillgelegte Tagebau Reichwalde in Sachsen extra wieder in Betrieb genommen werden.
Nach einer dem BUND vorliegenden Studie¹ übertrifft Vattenfall mit der veröffentlichten Strategie sogar noch das derzeitige „Status-quo-Szenario“. Demnach würde sich der Kohleabbau in der gesamten Lausitz ab 2011 sogar von jetzt 57 Millionen Tonnen auf über 63 Millionen Tonnen Kohle jährlich erhöhen. Die angepeilte Reduzierung auf 23 Millionen bis zum Jahr 2040 ist dem Auslaufen der Kohlevorräte bereits genehmigter Tagebaue zu verdanken. Aus Sicht des BUND hat das mit Klimaschutz aber nichts zu tun.
„Das Engagement von Vattenfall zum Klimaschutz ist reine Augenwischerei. Den Brandenburgern wird vorgegaukelt, dass sich der Braunkohleabbau schrittweise reduziert, doch zeitgleich wird er in Sachsen hochgefahren. Während das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) diese Woche an einer Zusammenfassung seines dritten hochbrisanten Berichts schreibt und im Vorfeld bereits bekannt wurde, dass der Menschheit zur Entschärfung der Klimaproblems nicht einmal mehr 13 Jahre bleiben, wird der Klimaschutz bei Vattenfall einfach in die Mitte des Jahrhunderts vertagt. Wäre es dem Konzern mit seinem Engagement ernst, so müsste er mit sofortiger Wirkung der Volksinitiative –„Keine neuen Tagebaue“ beitreten. Der Verzicht auf neue Tagebaue wäre das längst nötige Signal für die Menschen in der Lausitz,“ so Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg.
Die vom BUND mitinitiierte Volksinitiative will den mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohle. Bis in das Jahr 2040 könnte Vattenfall noch in den bereits genehmigten Tagebauen Braunkohle in Brandenburg fördern. Zeitgleich bleiben dem Konzern Jahrzehnte um den nötigen strukturellen Wandel der Energiebranche in der Lausitz anzugehen.
Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net
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¹ Schuster René (2007): „Zur Zukunft der Lausitzer Braunkohle – Kohlebedarf des konventionellen Kraftwerkparks sowie Folgen für den
Klimaschutz und die Inanspruchnahme von Siedlungen“, eine Studie im Auftrag von die LINKE im Bundestag