11. April 2008
Mittelfristiger Ausstieg aus der Braunkohle unumgänglich
IHK und HWK gaben auf der heutigen Landespressekonferenz bekannt, dass die Braunkohle für Brandenburg auch in Zukunft unverzichtbar sei. Nach Meinung des BUND Brandenburg ist dagegen der mittelfristige Ausstieg aus der Braunkohleverstromung unvermeidlich.
„Anstelle die Vertreter der Volksinitiative als Amokläufer zu diffamieren, sollten sich die Wirtschaftskammern lieber für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen und gegen die überhöhten Strompreise auf dem monopolisierten Energiemarkt vorgehen. Auch wäre es zielführender, wenn IHK und HWK den derzeitigen klimapolitischen Entwicklungen ins Auge sehen und nicht den wirtschaftlichen Weltuntergang heraufbeschwören. Ab 2013 wird der Emissionshandel die Lausitzer Braunkohle immens verteuern. Die notwendigen strukturellen Veränderungen sollten lieber heute als morgen angegangen werden. Nur das wäre ein sinnvoller Beitrag für die Region,“ so Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg.
Hintergrund - europäische Emissionshandel ab 2013
Im Januar 2008 legte die EU-Kommission im Rahmen des Klima- und Energiepakets ihre Pläne für eine Ausgestaltung des Emissionshandels ab 2013 vor. Bis 2020 sollen in der EU im Vergleich zu 1990 20 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Dem Stromsektor sollen ab 2013 keinerlei Emissionsberechtigungen mehr umsonst zugeteilt werden sollen. Stattdessen müssen alle Zertifikate ersteigert werden.
Laut BMU-Staatssekretär Michael Müller (SPD) werden die neuen Emissions-Zielvorgaben der EU ab 2013 für die Lausitz zum Problem, wenn weiterhin einseitig an der Braunkohle festgehalten wird.
Prof. Dr. Schellnhuber, Chef des renommierten PIK geht davon aus, dass eine Tonne CO2 bis zu 80 Euro kosten könnte und fügt hinzu: „Niemand würde dann nach 2012 noch einen Sack Braunkohle kaufen.“
Hintergrund – erneuerbare Energien
Nach BDEW-Schätzungen (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) lag der Anteil der regenerativen Energien am Stromverbrauch in Deutschland im Jahr 2007 bei etwa 14,5 Prozent (2006: 11,7 Prozent). Allein 2007 wurden fast 14 Mrd. KW/h mehr (insgesamt 87,5 Mrd. KW/h) durch erneuerbare Energien beigesteuert – gleichbedeutend der Jahresproduktion von einem Atomkraftwerk!
Laut einem Bericht des MLUV (Ministerium für Ländliche Entwicklung und Verbraucherschutz) über den Ausbaustand der erneuerbaren Energien in Brandenburg wurden im Jahr 2006 bereits 6.986 GW/h Strom durch erneuerbare Energien erzeugt, was einem Anteil von 48% an der Strommenge entspricht, die letztendlich von den Brandenburgern aus der Steckdose gezogen wurde. Für 2007 ist davon auszugehen, dass bereits jede zweite Kilowattstunde Strom beim Brandenburger Endverbraucher aus erneuerbaren Energien stammte. Nach Berechnungen des MLUV könnte die Stromenergieversorgung in Brandenburg im Jahre 2020 durchaus zu nahezu 100% aus regenerativen Energien erfolgen.
Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net