8. Februar 2008

Neue Güterverkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums zeigt Unsinnigkeit des Ausbaus von Havel und Spree

Angesichts der neuen Prognosezahlen des Bundesverkehrsministeriums für die Binnenschifffahrt nach Berlin und Brandenburg fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland erneut einen Verzicht auf den Ausbau von Spree und Havel.

Nach der aktuellen, jetzt veröffentlichten Güterverkehrsprognose bis 2025 wird sich der Verkehr entgegen den Aussagen der Politiker nicht verdoppelt, sondern sich für Brandenburg lediglich um nur 0,2 % erhöhen und für den Gütertransport mit Binnenschiffen senken, selbst bei einem Ausbau der Wasserstraßen von und nach Berlin bis 2025 um 16 % auf 2,6 Mio. Tonnen (2004: 3,1 Mio. Tonnen), von und nach Brandenburg sogar um 26 % auf 2,9 Mio. Tonnen (2004: 3,8 Mio. Tonnen).

Burkhard Voß, Landesvorsitzender BUND Brandenburg: „Die Planungen für den Ausbau von Havel und Spree im Zuge des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 17 basieren auf – wie sich heute zeigt – völlig unrealistischen Prognosen. Gingen die Planer 1992 noch von 14,4 Mio. Gütertonnen aus, die per Binnenschiff in Berlin umgeschlagen werden sollten, ist es nach den aktuellen Prognosen mit 2,6 Mio. Tonnen nur noch ein Bruchteil davon. Ähnlich sieht es in Brandenburg aus: die ursprüngliche Prognose von 6,6 Mio t/a hat sich auf 2,9 Mio t/a verringert. Grund dafür ist eine massive Abnahme von Massengütern wie Kohle, Baustoffen und Bauschutt und der Niedergang der Schwerindustrie in Berlin und Brandenburg. Für eine wettbewerbsfähige Binnenschifffahrt reichen daher die bisher erzielten Verbesserungen aus, die es Schiffen mit bis zu 110 m Länge und einer Tragfähigkeit von 1.500 Tonnen ermöglicht, Berlin anzulaufen. Nach Erneuerung der Genthiner Brücke können ab 2009 zudem Containerschiffe den Westhafen anlaufen. Wir fordern das Bundesverkehrsministerium daher auf, seine eigenen Prognosen zum Anlass zu nehmen und die Planungen für den weiteren Ausbau der Flüsse zu den Akten zu legen.“

Winfried Lücking, Flussexperte des BUND: „Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass eine weitere Verbreiterung und Vertiefung von Havel und Spree, der neben anderen massiven Eingriffen in Natur und Wasserhalt unter anderem 1.800 Bäume zum Opfer fallen würden, nicht notwendig ist. Der immer noch geplante Ausbau für noch größere Rheinschubverbände mit bis zu 185 m Länge lässt sich nicht mehr rechtfertigen und würde nicht nur eine erhebliche Naturzerstörung, sondern auch eine Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe bedeuten.“

Um den politischen Druck für den Verzicht auf den Ausbau von Havel und Spree zu erhöhen, hat der BUND gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Deutschen Umwelthilfe, der Grünen Liga und dem Havelbündnis die Kampagne „Stopp-Havelausbau gestartet. Unter www.stopp-havelausbau.de können sich Bürgerinnen und Bürger aktiv für die Rettung der Flüsse einsetzen.

Hinweis: Die Güterverkehrsprogose des BMVBS ist zu finden unter: daten.clearingstelle-verkehr.de/220/ (Daten zu Berlin und Brandenburg: Gesamtbericht S. 218 f.)

Pressekontakt

Winfried Lücking, Flussexperte BUND, Tel. 030-78790016, luecking@bund-berlin.de

Burkhard Voß, Landesvorsitzender BUND, Tel. 0172 - 3084446, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net

Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net

 

 




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