10. Januar 2008
Müllverbrennung in Heiligengrabe mit Restrisiko
Die Firma KRONOPLY plant in Heiligengrabe ein Kraftwerk für Ersatzbrennstoffe (EBS) zu errichten. In der 180 Megawattanlage sollen Abfallreststoffe aus Kunststoffen und Kartonagen verbrannt werden. Der BUND verweist auf kritische Vorbelastungen in den Böden um Heiligengrabe und fordert die betroffenen Anwohner dazu auf, sich am Genehmigungsverfahren zu beteiligen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich kritisch zum vorgeschlagenen Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung des geplanten Abfallheizkraftwerkes in Heiligengrabe geäußert. Der Holzwerkstoffhersteller Kronoply plant gemeinsam mit dem Berliner Entsorgungs-unternehmen ALBA die Errichtung einer Abfallverbrennungsanlage für heizwertreiche Ersatzbrennstoffe aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen, für die ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren erforderlich ist. Das Landesumweltamt hatte den anerkannten Naturschutzverbänden im November Gelegenheit gegeben, sich zum Untersuchungsrahmen (Scoping) für die Umweltverträglichkeitsprüfung zu äußern. Der BUND wurde bei der Erarbeitung seiner Stellungnahme durch Klaus Koch vom Hamburger Umweltberatungsbüro “Umweltnetzwerk“ unterstützt.
Jährlich sollen bis zu 400.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe verfeuert werden. Dies entspricht täglich 463 Lkw-Ladungen. Nähere Angaben über Art und im Besonderen über den Schadstoffgehalt der Abfälle fehlen gänzlich. Der BUND räumt ein, dass die geplante Rauchgasreinigungsanlage dem Stand der Technik entspricht und so die Einhaltung der Grenzwerte der 17. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz gewährleist. Der Umweltexperte Koch gibt aber zu bedenken: „Verschwiegen wird, dass es wesentlich bessere Abscheidetechniken gibt. Mehrstufige Filteranlagen sind in der Lage, den Ausstoß von Schadgasen erheblich unterhalb der Grenzwerte zu reduzieren. Diese Werte werden von Ärzten und Toxikologen auch als sogenannte “Vorsorgewerte“ bezeichnet, wie sie bereits in vielen Abfallverbrennungsanlagen in Deutschland umgesetzt wurden.“ Als unumgänglich wird weiterhin vom BUND eine Ermittlung der Vorbelastung durch die jahrelange Laminatproduktion der Familie Kronoply eingefordert. Im Bodenschutzkataster des Landes Brandenburg wird in der Umgebung von Heiligengrabe eine Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und polychlorierte Biphenylen (PCB) verzeichnet. Insgesamt sind die Vorbelastungen über den Istzustand zu ermitteln, die ausweisen sollten, ob eine weitere Zusatzbelastung überhaupt für die Region verträglich ist.
Auch Bärbel Pekrul von der Fraktion “WIR – FWG e.V.“ in der Gemeindevertretung Heiligengrabe sieht das Vorhaben von Kronoply kritisch und hat sich an den BUND mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Der BUND fordert deshalb die betroffenen Anwohner in einem Umkreis von 4,25 km um den geplanten Kronoply-Standort auf, ihre Beteiligungsrechte im Genehmigungsverfahren, mit dem in Kürze gerechnet werden kann, durch zahlreiche Einwände wahrzunehmen.
Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Klaus Koch, Umweltnetzwerk, Tel.: 040- 599 811, Mail: umweltnetzwerk@alice-dsl.de; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net