4. März 2009

BUND: Straßenbahn Cottbus auf jeden Fall erhalten und weiterentwickeln

Eine Einstellung des Straßenbahnbetriebes träfe nicht nur die Fahrgäste, sondern alle Bewohner der Stadt. Sie wäre kontraproduktiv für die Verbesserung der Luftqualität. In der Bahnhofstraße werden seit Jahren die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, im Jahr 2007 lag Cottbus mit 59 Tagen über 50 myg/m3 bundesweit auf Platz 8 des Negativ-Rankings! Erlaubt wären maximal 35 Tage. Bereits in den ersten acht Wochen des Jahres 2009 wurden schon wieder 15 Überschreitungstage gezählt.

Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg: "Die Stilllegung der Straßenbahn sorgt aus zwei Gründen für schlechte Luft: Zum einen werden Busse bei weitem nicht so gut akzeptiert, wie Straßenbahnen, wodurch dem Betrieb massiv Fahrgäste verloren gingen, die zum größten Teil aufs Auto umstiegen. Zum anderen fährt die Tram in der Stadt abgasfrei."

Die Straßenbahn in Cottbus erschließt sehr gut die Großsiedlung Sachendorf-Madlow und Schmellwitz. Ohne Straßenbahn würden diese ihren Standortvorteil in Form einer attraktiven und direkten Schienenverbindung mit der Innenstadt verlieren.

Zudem gibt es keine Untersuchung zu Netzerweiterungen und somit der Anpassung der Straßenbahn an die aktuellen Stadtstrukturen - es fehlt das Szenario "Ausbau Straßenbahn". Bereits mit zwei kurzen Neubaustrecken: der Anbindung des Lausitzparks im Süden und einer Strecke zur Erschließung des Universitätscampus nordwestlich der Innenstadt ließen sich viele neue Fahrgäste gewinnen. Außerdem könnte auch die Anbindung des Hauptbahnhofs noch verbessert werden.

Kruschat warnt auch vor den Verschlechterungen für die Fahrgäste: "Es ist anzunehmen, dass die Busse auf normalen Straßen im gewöhnlichen Straßenverkehr fahren sollen, während heute die Straßenbahn nahezu überall staufrei vorankommt - insbesondere die teilweise straßenunabhängige Trasse 4. Die Fahrzeiten würden dadurch länger.

Außerdem wird in der Studie für die Szenarien "Nullfall" (Erhalt der Tram) und "Bus ohne Tram" im Jahr 2020 von einer nahezu identischen Zahl der gefahrenen Fahrplankilometer ausgegangen. Wenn aber im Szenario "Bus ohne Tram" auf den Ersatzlinien für die Straßenbahn in einem dichteren Takt gefahren werden soll alsheute, bedeute das zwangsläufig eine Ausdünnung bei den übrigen Buslinien. Es ist also ein Konzept zur Schrumpfung des gesamten ÖPNV in Cottbus: Bus und Straßenbahn."




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