29. August 2013
Massentierhaltung auf dem Vormarsch
Potsdam: In Brandenburg leben bereits anderthalb Mal so viele Masthühner (3,7 Mio) wie Einwohner (2,4 Mio). Dennoch liegen in diesem Bundesland für 3,5 Millionen Hühner neue Anträge für Stallbauten vor, so dass fast eine Verdoppelung der Broilermastplätze zu befürchten ist. „Abgesehen von den Umweltschäden, die von der Massentierhaltung herrühren, werden hier auch inakzeptable Überkapazitäten aufgebaut. Werden all diese Megaställe errichtet, ist für die Erzeuger der Preisverfall ihrer Produkte absehbar“, sagte der Vorsitzende des BUND-Landesverbandes Burkhard Voß.
So wurden Anfang des Jahres trotz der Einwendungen des BUND Anlagen für 380 000 Hähnchen in Groß Haßlow bei Wittstock und für 162 000 Hähnchen in Lüdersdorf bei Wriezen genehmigt. Vor wenigen Tagen fand der Erörterungstermin im Genehmigungsverfahren für zwei Anlagen mit insgesamt 400 000 Hähnchenplätzen in Gumtow (Prignitz) statt. Der Genehmigungsantrag für zwei Anlagen mit insgesamt 432 000 Broilerplätzen in Steinhöfel (Oder-Spree) ist in Vorbereitung.
Voß: „Die Verbraucher reduzieren ihren Fleischkonsum. Das tun sie auch wegen der Missstände in den Megaställen und dem horrenden Antibiotikaeinsatz in der Hühnermast. Gleichzeitig trägt die Überproduktion an Hähnchenfleisch von mehr als 25 Prozent oberhalb des Konsums in Deutschland massiven Preisdruck auf die Bauern mit sich. Jeder neue Stall bringt daher weitere Betriebe näher an den Ruin. Deutschland braucht keinen weiteren Zuwachs an Groß-Mastanlagen. Erforderlich sind stattdessen ein Stopp staatlicher Subventionen für neue herkömmliche Stallbauten und ein bundesweites Moratorium für weitere Baugenehmigungen.“ Die EU fördert Investitionen in Ställe mit bis zu 50 Prozent.
Der BUND fordert, das überbordende Wachstum in der Fleischproduktion zu stoppen. Burkhard Voß: „Die Menschen wollen regionale Lebensmittel, die nach höchsten Tier- und Umweltschutzstandards erzeugt worden sind. Bäuerliche Betriebe, die diese Erwartungen erfüllen, können ihre Wertschöpfung erheblich steigern. Dazu muss die Politik faire Marktbedingungen sichern und die Agrarreform in Deutschland entsprechend umsetzen.“ Der BUND forderte konkret, dass 30 Prozent der Direktzahlungen aus Brüssel für kleinere Betriebe umgewidmet und 15 Prozent der Direktzahlungen für die ländliche Entwicklung in eine Förderoffensive für Ökolandbau, Tierschutz und Regionalität gelenkt werden müssen.
Im Vorfeld der Bundestagswahl hat der BUND einen Kandidatencheck durchgeführt und die Kandidaten zur Bundestagswahl unter anderem gefragt, was sie gegen Massentierhaltung und die Auswüchse der Agrarindustrie unternehmen wollen.
Die Ergebnisse finden Sie im Internet unter: http://www.bund.net/index.php?<wbr></wbr>id=16747&bundesland=5
Kontakt: BUND-Landesgeschäftsstelle, Tel. 0331-237 00 141