28. August 2013
Widerspruch gegen Megamastanlage in Haßleben eingereicht
Nach aktueller Rechtsprechung und wissenschaftlicher Expertise ist der Schweinestall mit 37000 Tierplätzen des Investors van Gennip in Haßleben nicht genehmigungsfähig. Die Stickstoffemissionen aus der geplanten Großanlage überschreiten die zulässigen Belastungen der Umwelt und des angrenzenden Naturschutzgebietes. Diese Einschätzung nahmen der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Brandenburg), der NABU (Naturschutzbund Brandenburg) und Anlieger der geplanten Anlage zum Anlass, offiziell gegen die Genehmigungen Widerspruch einzureichen. Der wurde fristgerecht beim Landesumweltamt und dem zuständigen Landratsamt in Prenzlau vorgelegt. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein und anderen Verbänden überreichten sie heute in Potsdam zudem 45000 Protestunterschriften gegen die geplante Schweineanlage in der Uckermark.
Thomas Volpers, BUND Brandenburg und Sprecher der Haßlebener Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein: „Die Schweinemast in Haßleben würde gewaltige Mengen Ammoniakgas ausstoßen. Das würde das angrenzende geschützte Moor stärker überdüngen als nach geltendem Naturschutzrecht erlaubt ist. Die Genehmigung hat daher keinen Bestand und muss widerrufen werden.“
Dem jüngsten Gutachten zu Überdüngung mit Stickstoff des deutschen Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) zur Folge kann je 2,5 Kilogramm Stickstoff zu viel eine Art ausgelöscht werden. „In Haßleben bedroht die Überdüngung aus der Schweinemast den seltenen Moorfrosch, einen der schönsten Frösche Deutschlands. Auch die geschützten Arten Kranich und Waldschnepfe leben vor Ort und würden der Schweinemast geopfert, wenn die Emissionen aus dem Megaschweinestall weiter widerrechtlich verharmlost werden“, sagte Thomas Volpers.
„Die SPD verspricht zwar in ihrem Bundestagswahlprogramm neben dem Klagerecht für Tierschutzverbände auch ein „Zurückdrängen“ der Massentierhaltung. Und die LINKE will angeblich „quälerische Praktiken in der Tierhaltung“ unterbinden. Doch die WählerInnen können SPD und Linke nur ernst nehmen, wenn sie ihre Wahlversprechen jetzt in Regierungsverantwortung in Brandenburg auch umsetzen. Die rot-rote Landesregierung muss daher veranlassen, dass die ihnen unterstellten Behörden das geltende Naturschutzrecht konsequent gegen die Schweineanlage in Haßleben anwenden“, forderte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.
Der BUND wies darauf hin, dass die Überproduktion an Schweinefleisch in Höhe von 19 Prozent oberhalb des Konsums zu einem massiven Preisdruck auf die Bauern in Deutschland beitrage. Jeder zusätzliche Stall erhöhe das Überangebot an Fleisch am Markt und bringe daher weitere Bauernhöfe näher an den Ruin.
Pressekontakt: Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin, Mobil: 0175-7263779, E-Mail: reinhild.benning@bund.net, Thomas Volpers, Sprecher der BI Kontra-Industrieschwein und BUND-Brandenburg, Tel. 0162-177 23 86, thomas.volpers@bund.net , www.bund.net