15. März 2013

Landesregierung bestätigt Pestizidbelastung in Gewässern

„Die Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen bestätigt die Vermutung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass der Nachweis von Agrochemikalien in Futtermitteln und Gewässern Teil der gravierenden Auswirkungen des alltäglichen Wahnsinns der gesetzlich zugelassenen Agrarindustrie sind und weniger gesetzwidriges Verhalten von einzelnen Landwirten“, erklärt Wolfgang Deuster, Vorstandsmitglied im BUND Brandenburg.

Im Jahr 2012 wurden durch den brandenburgischen Pflanzenschutzdienst in 15 Oberflächengewässern Proben gezogen. Beprobt wurden neben einem Soll in Stabeshöhe 9 weitere Kleingewässer in der Feldflur. Die Beprobung des Solls Stabeshöhe ergab, dass die 2011 nachgewiesenen Wirkstoffe noch nicht restlos abgebaut waren. Die für die Wirkstoffe Metolachlor und Terbutylazin geltenden Umweltqualitätsnormen für Oberflächengewässer waren immer noch überschritten. In fünf weiteren Söllen wurden Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln und der Glyphosatmetabolit AMPA festgestellt, in einem Fall sogar grenzwertüberschreitend.

„Wenn in 25 Prozent der Futtermittelproben und 60 Prozent der beprobten Gewässer Gifte nachgewiesen werden, dann stimmt was an unseren Gesetzen und Grenzwerten nicht. Dann kann von einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft nicht mehr die Rede sein“, sagt Deuster.

Insgesamt ist der Agrochemikalieneinsatz in Deutschland seit 1994 um 37 Prozent gestiegen, der Einsatz von Herbiziden stieg um 13 Prozent. Der steigende Intensivanbau von Mais als Tierfutter und Rohstoff für Agrogasanlagen ist ein wesentlicher Beschleuniger für das Artensterben in unserer Kulturlandschaft. Derzeit steht in Brandenburg auf etwa 35 Prozent der Getreideanbaufläche Mais, von dem wiederum 30 Prozent energetisch genutzt werden. Auf manchen Feldern stehen dem BUND zufolge die Pflanzen bereits fünf Jahre in Folge, was den Chemieeinsatz fördert.

„Wenn die Gesetze den Landwirten zur Gewinnmaximierung einen hohen Agrochemikalieneinsatz ermöglichen, muss der Staat zum Wohle der Allgemeinheit eingreifen“, verlangt Deuster. Daher forderte der BUND die Landesregierung auf, endlich die Gute fachliche Praxis zu definieren und im Zuge dessen unter anderem den Einsatz von Agrochemikalien zum Totspritzen von angebauten Feldfrüchten oder zur Reifebeschleunigung bei Getreide (Sikkation) grundsätzlich zu verbieten. Der BUND sieht sich auch darin bestätigt, dass die Förderung des Ökolandbaus in Brandenburg ausgeweitet werden muss, wozu dringend die Prämie für Landwirte, die auf Ökolandbau umsteigen wollen, wieder eingeführt werden sollte. Diese wurde in Brandenburg, im Vergleich zu allen anderen Bundesländern ausgesetzt, weshalb im Gegensatz zu anderen Bundesländern die ökologisch bewirtschaftete Fläche stagniert.

Zudem müsse in der kommenden EU-Förderperiode das Land die Agrarumweltprogramme ausweiten, um die ökologische Agrarwende in Brandenburg zu beschleunigen, so Deuster.

 

Die ausführliche Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage "Rückstände des Wirkstoffs Glyphosat in Lebens- und Futtermitteln sowie im Wasser durch Sikkation" kann man hier herunterladen.

Für Rückfragen:
Wolfgang Deuster, BUND-Landesvorstand, Tel. 0157- 78777127




Ihre Spende hilft.

Suche