BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


20. Mai 2008

Ab 2013 Braunkohle nicht mehr wettbewerbsfähig

Verspätet und nichts neues – Wirtschaftsminister Junghanns (CDU) stellt heute offiziell die „neue“ Brandenburger „Energiestrategie 2020“ seinem Kabinett vor. Die Braunkohle soll Energieträger Nummer eins im Land bleiben. Auf die wesentliche Frage zur Wettbewerbsfähigkeit der Kohle ab 2013 geht das Strategiepapier aber nicht ein.

Ab 2013 sollen laut EU alle CO2-Zertifikate im Kraftwerksbereich komplett versteigert werden. Da die CCS-Technologie wenn überhaupt frühestens ab 2015 zum Einsatz kommt, würde der Emissionshandel die Braunkohleverstromung massiv verteuern. Die Braunkohle könnte daher schon ab 2013 nicht mehr wettbewerbsfähig sein, bzw. explodierende Energiepreise nach sich ziehen. Auf beide Problematiken geht die „Energiestrategie 2020“ nicht ein.

„Dieses Energiestrategiepapier gibt keine Antworten auf die eigenen Forderungen nach Klimaschutz und einer preiswerten Energieversorgung. Es wird nicht berücksichtigt, dass ab 2013 der klimapolitisch unabwendbare Emissionshandel die Braunkohleverstromung erheblich verteuern wird. Wenn die Landesregierung keine Alternativen zur Braunkohlewirtschaft entwickelt, dann werden ab 2013 die Arbeitsplätze in der Region massiv bedroht sein,“ so Axel Kruschat Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg.

Vattenfall plant für 2015 mit dem Bau einer CCS-Demonstrationsanlage in Jänschwalde. Selbst dieser optimistische Termin kommt für den Emissionshandel zu spät.

Bereits im Jahre 2006 reduzierte sich in Brandenburg der CO2-Ausstoß gegenüber 2004 um nahezu 4 Mio t CO2. Diese Reduktion ist sehr wahrscheinlich der verminderten Auslastung der Braunkohlekraftwerke zuzuschreiben. Vattenfall kann durch den Boom der erneuerbaren Energien sukzessiv immer weniger Braunkohlestrom verkaufen. Dieser Trend wird sich weiter verstärken. Aus Sicht des BUND Brandenburg ist daher die klimaschädliche Braunkohle für die Stromversorgung mittelfristig nicht mehr nötig und macht neue Braunkohletagebaue überflüssig.

Hintergrund: neue EU-Vorgaben

Die EU plant bis ins Jahr 2020 im Kraftwerksbereich bis zu 21% CO2 einzusparen. Brandenburg baut derzeit jährlich etwa 40 Mio t Braunkohle ab. Um den neuen Vorgaben aus Brüssel gerecht zu werden, müssten bis 2020 etwa 8 Mio t Braunkohle weniger gefördert werden, was der Abschaltung einiger Kraftwerksblöcke in Jänschwalde gleichkäme.

Ausgehend von den Aussagen des Vattenvall Konzerns, dass zur Produktion von 1 MWh etwa 25,- € anfallen und diese an der Strombörse im Durchschnitt für 55,- € verkauft werden können, ergibt sich eine Gewinn pro MWh von 30,- € vor Steuern. Das heißt, bei einen Zertifikatspreis von 30,- € ist die Braunkohleverstromung nicht mehr wettbewerbsfähig.

Das ein Zertifikatspreis von 30,- € pro Tonne CO2 wahrscheinlich ist, zeigt ein Blick auf die Preise der aktuellen Handelsperiode in denen 24,- € pro Tonne bereits erreicht sind. Besonders ein Blick auf das Optionsgeschäft zeigt, dass dort die Optionen über dem Preis von 24,- € gehandelt werden (ca. 26,- €). Was nichts anderes bedeutet, dass der Markt von einem Ansteigen der Preise über 26,- € ausgeht.

Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/ab-2013-braunkohle-nicht-mehr-wettbewerbsfaehig/