BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


17. Januar 2008

CCS-Technologie – Endspurt in die Sackgasse!

In Norwegen haben die staatlichen Ölkonzerne Shell und Stateoil-Hydro ihre Pläne zur unterirdischen CO-2 Einlagerung vorerst aufgegeben. In zwei Pilotanlagen sollte das klimaschädliche Kohlendioxid abgespalten und dann unterirdisch eingelagert werden. Wie jetzt bekannt wurde, sind die Kosten zum Betreiben der Anlage zu hoch.

Der Energiekonzern Vattenfall möchte ab 2015 auch in Deutschland großflächig Kohlendioxid unterirdisch speichern. Nach Konzernangaben sollen die Kosten pro eingelagerter Tonne CO2 bei 20-25 Euro liegen. Experten vom COORETEX-Forschungsprogramm (CO2-REduktions-TEChnologien), einem vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie einberufenen Expertengremiums, kalkulieren anders. Die Vertreter aus Forschung und Industrie berechneten die zusätzlichen Gesamtkosten der CCS-Technologie bei Kohlekraftwerken auf 50-70 Euro pro Tonne CO2. Unter diesen Umständen wäre die Braunkohle in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig.

„In Norwegen zeigt sich derzeit, was Landesregierung und Vattenfall in Brandenburg noch immer abstreiten. Die CCS-Technologie ist eine Sackgasse und betriebswirtschaftlicher Unsinn. Vor allem im Speicherbereich wird diese Technologie niemals über die Versuchsphase hinauswachsen. CCS darf nicht weiter als Rechtfertigung dafür herhalten, dass Dörfer in Brandenburg einfach von der Landkarte verschwinden und beim Klimaschutz nichts passiert,“ so Axel Kruschat Landesgeschäftsführer vom BUND Brandenburg. „Außerdem ist es purer Hohn zu behaupten, CCS - die ‚Innovation aus Branden-burg’ ließe sich nur entwickeln, wenn auch neue Tagebaue aufgeschlossen würden. Die bereits genehmigten Tagebaue verfügen noch über Kohle bis über das Jahr 2040 hinaus ,“ so Kruschat weiter.

In ihrem Bericht weisen die Experten außerdem darauf hin, dass sich der Nettowirkungsgrad von Kohlekraftwerken durch CCS um 8-15% verringern würde (Jänschwalde derzeit nur 35-36%!). Die Verringerung der Effizienz führt somit zu einer Erhöhung des Energieeigenbedarfs. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren, muß demnach noch mehr Kohle verbrannt werden.

Ungeklärt bleibt weiterhin die Fragen des CO2-Transportes. In Norwegen scheiterte der Bau von Pipelines aus Kostengründen, die sich auf das Zweieinhalbfache der ursprünglichen Planungen beliefen. In Deutschland sind die Pipelines bzw. tausende Schwerlasttransporter noch nicht einmal in der öffentlichen Diskussion angekommen.

Die Speicherkapazitäten tief liegender salinarer Aquifere, die als Option zur CO2-Einlagerung genannt werden und sich überwiegend in Norddeutschland befinden, bleiben reine Zahlenspielerei. So schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe(BGR) das theoretische Potential auf 20 Gigatonnen. Durch spezielle Anforderungen an die Lagerstätten wie ausreichend Volumen, Durchlässigkeit des Gesteins für die Injektion, Speichersicherheit und Qualität und etwaige Nutzungskonflikte reduziert sich das Potential der Speicher jedoch erheblich. Der derzeitige deutsche CO2-Ausstoß beträgt 845 Mio t (Industrie 503 Mio t). Ließe sich das gesamte CO2 abscheiden – was technisch unmöglich ist – wären unsere Speicher in 23 Jahren (Industrie) bzw. 12 Jahren (Gesamtemissionen) aufgebraucht.

Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/ccs-technologie-endspurt-in-die-sackgasse/