28. April 2008
Flussretter fordern Stopp des Havelausbaus
Breites Bündnis fordert Minister Dellmann auf, sich jetzt gegen den Weiterbau des Verkehrsprojekt 17 Deutsche Einheit einzusetzen.
Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen haben heute Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann aufgefordert, sich gegen den geplanten Ausbau der Havel im Zuge des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit (VDE) 17 einzusetzen. Vertreter des BUND, des NABU, der Grünen Liga und der DUH mit dem Aktionsbündnis gegen den Havelausbau überreichten dem Minister ein Schreiben, in dem sie ihre Forderungen ausführlich begründen.
Der Bau einer durchgehenden „Wasserautobahn“ zwischen Magdeburg und Berlin bedroht aktuell Natur und Wasserhaushalt im Einzugsgebiet des Sacrow-Paretzer-Kanals. Bis zum Sommer 2008 wollen die Verbände im Internet unter www.stopp-havelausbau.de und mit Protestpostkarten Flussretterinnen und Flussretter mobilisieren, um die politisch Verantwortlichen zur definitiven Aufgabe weiterer Ausbaupläne zu bewegen.
Burghard Voß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg: „Es ist Zeit, dass Infrastrukturminister Reinhold Dellmann sich für den konsequenten Schutz der Havel einsetzt. Dafür sprechen nicht zuletzt massive Warnungen der Klimaexperten und das EU-Naturschutzrecht. Selbst das Bundesverkehrs-ministerium rechnet inzwischen damit, dass selbst nach Ausbau von Havel und Spree weniger Güter auf den Flüssen transportiert werden als in den 1990er Jahren.“
Nach der aktuellen Güterverkehrsprognose bis 2025 wird sich der gesamte Güterverkehr nicht verdoppeln. In Brandenburg wird nur mit einer Erhöhung von gerade mal 0,2 Prozent gerechnet. Der Gütertransport mit Binnenschiffen wird dann selbst nach einem Ausbau der Wasserstraßen von und nach Berlin bis 2025 um 16 Prozent auf 2,6 Mio. Tonnen (2004: 3,1 Mio. Tonnen) sogar sinken. Von und nach Brandenburg wird der Gütertransport per Schiff sogar um 26 Prozent auf 2,9 Mio. Tonnen (2004: 3,8 Mio. Tonnen) zurückgehen.
Tom Kirschey, Landesvorsitzender des NABU: „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, rollen ab 2008 die Bagger an der Havel. Allein entlang des Sacrow-Paretzer-Kanals in Brandenburg sollen rund 800 Bäume gefällt werden, um das Flussbett für große Rheinschubverbände zu verbreitern. Die Eingriffe in wertvolle Naturgebiete entlang der Havel und die Abgrabung von Ufern sind nicht vertretbar – schon gar nicht vor dem Hintergrund der Prognosen!“
Michael Bender, Wasserexperte der Grünen Liga: „Durch die Ausbaumaßnahmen ist eine weitere Absenkung der Wasserstände bei Mittel- und Hochwasser zu erwarten. Diese führt zu einer Schädigung von geschützten Feuchtgebieten wie z.B. den Tiefwerder Wiesen und den mit viel Geld sanierten und geschützten Röhrichten. Auch die Trinkwasserförderung aus Uferfiltrat kann damit in eine kritische Lage geraten.
In Brandenburg wäre der Ausbau ein erheblicher Eingriff für die Seen am Sacrow-Paretzer-Kanal und das Flora-Fauna-Habitat der Oberen Wublitz.
Frank Neuschulz, Flussexperte der Deutschen Umwelthilfe (DUH): „Die Politik muss endlich Konsequenzen aus der realen Entwicklung der Gütertransporte auf der Havel und den aktuellen Güterverkehrsprognosen ziehen: Mit massiven Eingriffen in Natur und Wasserhaushalt und mit Kosten von bis zu einer Milliarde Euro einen Begegnungsverkehr für zwei Großmotorgüterschiffe pro Tag zu bauen, widerspricht jeglicher Vernunft.“
Pressekontakt: Winfried Lücking, Leiter BUND-Flußbüro Tel. 030 – 78790016 bzw. 0157 – 72898843, Carmen Schultz, Pressestelle BUND Berlin Tel. 030 – 78790012, Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer BUND Brandenburg , Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net;