BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


7. Juli 2017

Hochwasserschutz muss solidarisch zusammen mit den Bürgern erfolgen

Der Landesverband Brandenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erinnert an den 20. Jahrestag der Oderflut. Noch während der Jahrhundertflut an der Oder 1997 und nachdem die Thälmann-Siedlung in der Ziltendorfer Niederung überflutet wurde, erklärte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl: "Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen." Im sogenannten "Generalplan Oder" von 1999 fand eine Untersuchung zur Schaffung von Retentionsflächen über 9.900 ha statt. Nun jährt sich in diesen Tagen das verheerende Hochwasserereignis zum 20. Mal, weshalb allerorts Bilanz gezogen wird.

BUND-Landesvorstandsmitglied Sascha Maier: „Bilanz wurde natürlich auch schon vor 10 Jahren gezogen. Wäre es nach dem BUND gegangen, hätte Brandenburg mehr Oderdeiche in das Landesinnere zurückverlegt.“

Auch 20 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser gibt es keine nennenswerten Retentionsflächen. Die Ansätze Brandenburgs, in der Neuzeller und der Ziltendorfer Niederung mehr Raum für den Fluss zu schaffen, fallen erheblich bescheidener aus, als nach der Flut angedacht war. Dies kann gravierende Folgen für das stärker besiedelte Oderbruch am Unterlauf haben. Denn wären 1997 an der unteren und mittleren Oder nicht die Deiche gebrochen, wäre der gerade noch gehaltene Deich bei Hohenwutzen zerstört und das Oderbruch wie eine Badewanne vollgelaufen. Aber auch im Oderbruch selbst wurden die Chancen für den 500 Hektar großen Sophienthaler Polder als Retentionsfläche vorerst verspielt.

Doch gerade beim Hochwasserschutz kommt es auf die Solidarität der Oberlieger zum Schutz der Unterlieger an. Natürlich wiegt das Argument viel, dass den Betroffenen ihre Heimat erhalten bleiben soll. Gerade deshalb ist eine Einbindung der Menschen vor Ort und eine transparente Hochwasserschutzplanung von größter Wichtigkeit. Der begonnene Dialog wurde aber nicht in dem erforderlichen Maß fortgesetzt. Hier muss vom Land dringend ein ehrlicher Beteiligungsprozess gestartet werden. Da die Oder Grenzfluss ist, muss hier auch der Dialog mit Polen gesucht werden. Im Nachbarland werden für die Dörfer Chlewice und Porzecze, die bei Hochwasser durch den Rückstau der Oder in den Fluss Myśla gefährdet sind, Ringdeiche geplant. So kann die Oder wertvolle Retentionsflächen behalten, auch zum Schutz des Oderbruches.

„Der Ausblick auf die Zukunft ist aktuell wenig vielversprechend,“ so Sascha Maier weiter. „Anstelle dass sich ganzheitlich mit dem Hochwasserschutz grenzüberschreitend und über Behörden- und Ministeriengrenzen hinweg beraten wird, gibt es einseitige Planungen, die Oder zu einer internationalen Wasserstraße auszubauen.“ In Kombination mit dem Klimawandel wird dies die Hochwassergefahr weiter erhöhen.

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/hochwasserschutz-muss-solidarisch-zusammen-mit-den-buergern-erfolgen/