BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


13. Februar 2008

Nach Lacoma will Vattenfall wieder ein FFH-Gebiet beseitigen

Jurinea cyanoides oder auch die Sand-Silberscharte europaweit durch die FFH-Richtlinie geschützt kommt in Südbrandenburg nur einmal vor – auf dem von Vattenfall neu geplanten Tagebau Welzow–Süd. Der von Vattenfall geplante Verlauf einer Dichtwand würde diese prioritäre Art nebst des dazugehörigen FFH-Gebietes zerstören.

Eine seltene Distelart ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Brandenburg ein wichtiges Argument gegen die Weiterführung des Tagebaues Welzow-Süd. Die Sand-Silberscharte hat am Weißen Berg bei Bahnsdorf ihr einziges Vorkommen in Südbrandenburg. Daher wurde das Vorkommen als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt und als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet gemeldet. Die Sand-Silberscharte wird in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als prioritäre Art gelistet. Ein Umsetzen an einen anderen Standort hält der BUND für nicht realistisch: Ein Versuch im Jahr 1982, zwei Exemplare zu verpflanzen, verlief erfolglos.

Die geplante Dichtwand soll den Weißen Berg unmittelbar zerschneiden. Im Schutzgebiet wurden 47 Vogelarten nachgewiesen. Es ist auch Lebensraum von Kreuzotter, Glattnatter und Zauneidechse. Am Weißen Berg befindet sich auch ein Fledermausquartier mit dem Vorkommen vom Aussterben bedrohter Arten. Der BUND schlägt deshalb vor, die Dichtwand nicht so wie von Vattenfall beantragt (Variante TWS), sondern entlang den bestätigten Tagebaugrenzen (Variante TFP) zu errichten. Diese Variante ist mit 5600 m Länge auch kürzer und damit kostengünstiger als die beantragte, ökologisch bedenklichere Variante mit 14000 m Länge.

Johannes Kapelle von der BUND-Ortsgruppe Welzow: „Da es sich bei der Silberscharte um eine prioritäre Art handelt, wäre vor dem Bau der Dichtwand zwingend die EU-Kommission anzuhören.“ Vattenfall hat jetzt eine wasserrechtliche Erlaubnis zur Grundwasserabsenkung für den Tagebau Welzow-Süd für die Jahre 2009 bis 2022 beantragt. Darin wird vom Bau der Dichtwand ausgegangen, obwohl das Genehmigungsverfahren für den Bau der Dichtwand noch nicht begonnen wurde. Die Träger öffentlicher Belange, die Gemeinden und die Naturschutzverbände können sich bis zum 21. März gegenüber dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe äußern. Die bestehende wasserrechtliche Erlaubnis zur Grundwasserabsenkung für den Tagebau Welzow-Süd läuft Ende 2008 aus.

Pressekontakt:

Johannes Kapelle, BUND-Ortsgruppe Welzow, Tel. (035751) 205 35, J.Kapelle@t-online.de

Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/nach-lacoma-will-vattenfall-wieder-ein-ffh-gebiet-beseitigen/