23. Mai 2008
Protestaktion „Leuchtender Fluss“
In Brandenburg und Berlin protestieren hunderte Flussschützer mit Fackeln und Lichtern gegen den Ausbau von Havel, Spree und Sacrow-Paretzer-Kanal. Unter der Kampagne „Stopp Havelausbau! Flussretter zeigen Flagge“ fordert der BUND zusammen mit Naturschutzverbänden, Bürgerinitiativen und anderen Vereinen den Ausbau von Havel, Spree und Sacrow-Paretzer-Kanal aufzugeben.
Noch immer sollen Havel, Spree und Sacrow-Paretzer-Kanal für große Binnenschiffe im Rahmen des Verkehrprojektes Deutsche Einheit (VDE 17) verbreitert und vertieft werden. Der Ausbau zerstört wertvolle Naturräume für eine Vielzahl seltener oder vorm Aussterben bedrohter Arten.
Feuchtbiotopen, Auwaldresten und Feuchtgebieten wird das Wasser entzogen, sie gelten als die artenreichsten Biotope. Ganz direkt werden mit dem Ausbau auch geschützte Arten wie Biber und Fischotter ihre Lebensräume einbüßen. Denn sie können an den befestigten Ufern weder Burgen bauen noch Nahrung finden.
Die Tiefwerder Wiesen im Mündungsbereich der Spree, das einzige noch erhaltene natürliche Überschwemmungsgebiet innerhalb Berlins, würden auf Grund der reduzierten Dynamik des Gewässers austrocknen. Diese Aue ist von hoher Bedeutung als Fischlaichgebiet und Kinderstube der Fische. Betroffen sind unter anderem Hecht, Hasel und Moderlieschen. Hasel und Moderlieschen wurden bisher nur hier nachgewiesen.
An der Havel sind Röhrichtbestände gefährdet, in denen der seltene Drosselrohrsänger brütet. 40% des Berliner Bestandes dieser in Deutschland stark gefährdeten Vögel lebt im Bereich der Ausbaustrecke. Nicht zuletzt sollen für die Verbreiterung viele Bäume gefällt werden - allein 800 Bäume am Sacrow-Paretzer-Kanal.
„Wir fordern, den Ausbau von Havel, Spree und Sacrow-Paretzer-Kanal zu stoppen. Das Verkehrsprojekt muss aufgegeben werden, denn auch Deutschland hat die Verantwortung dafür, dass der Artenreichtum erhalten bleibt. Wenn Artenschutz von den Regierungen Ernst gemeint ist, dürfen Flüsse wie Havel und Spree und Kanäle wir der Sacrow-Paretzer-Kanal nicht ausgebaut werden“, so Winfried Lücking, Leiter des BUND-Flussbüros.
„Als Umweltschutzverband, der sich für Artenschutz einsetzt, ist man es gewohnt, dass Ökologie gegen Ökonomie ausgespielt wird. Aber beim Projekt 17 gibt es noch nicht einmal ökonomische Gründe: Die Gütermengen für Schiffe sind offensichtlich gar nicht vorhanden, da die Mehrzahl der Schiffe nicht voll beladen fahren. Die Transporte haben gerade mal 14 % der Prognose erfüllt, obwohl in vielen Bereichen schon ausgebaut wurde. Trotzdem plant und baut die Wasserschifffahrtsbehörde unbeeindruckt weiter, so Burkhard Voß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg.
Weitere Infos zur Kampagne Stopp Havelausbau! – Flussretter zeigen Flagge. unter: www.stopp-havelausbau.de
Pressekontakt
BUND Berlin: Carmen Schultze, Pressestelle, Tel. (030) 78 79 00-12, mobil: 0179-593 59 12
BUND Brandenburg: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net;