BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


16. März 2007

Vattenfall beschleunigt Klimakollaps

Naturschutzgebiet in Deutschland soll Vattenfall-Braunkohletagebau weichen – Umweltschützer protestieren in Schweden vor dem Wirtschaftsministerium

Stockholm: Deutsche und schwedische Umweltschutzorganisationen übergaben heute gemeinsam dem schwedischen Wirtschaftsministerium eine Resolution gegen einen Braunkohletagebau von Vattenfall in Deutschland. Die Übergabe der „Resolution für den Erhalt der Lacomaer Teichlandschaft" erfolgte an die im Wirtschaftsministerium für Vattenfall zuständige parlamentarische Staatssekretärin Mrs. Thand-Ringqvist. Die Umweltorganisationen MJV und BUND (Friends of the Earth Deutschland und Schweden) protestieren damit gegen die geplante Zerstörung des ökologisch einzigartigen Gebietes. Sie appellierten an die Verantwortung der schwedischen Regierung für den Klima- und Naturschutz bei den Aktivitäten ihres staatseigenen Energiekonzerns Vattenfall. Auf dem Banner der Mahnwache vor dem Ministerium war zu lesen: „Klimasünder Vattenfall! Braunkohle stoppen! Lacoma retten!“

Zu den rund 3000 Unterzeichnern der Resolution gehören zahlreiche deutsche Prominente aus Wissenschaft und Kultur, sowie über 80 Abgeordnete aus allen Fraktionen des Deutschen Bundestages. Sie fordern gemeinsam mit den Umweltorganisationen MJV und BUND (Friends of the Earth Schweden und Deutschland), sowie GRÜNE LIGA, NABU, NATURFREUNDE und ROBIN WOOD den Erhalt des unter höchsten europäischen Schutz stehenden Naturparadieses.

Schon im April 2005 erklärte die heutige Vize-Premierministerin von Schweden Maud Olofssen: „Es ist nicht akzeptabel, dass der staatseigene Konzern Vattenfall überall durch Europa zieht und auf Braunkohle setzt [...] Die Regierung kann von der Centerpartei keine Unterstützung für eine Energiepolitik erwarten, die nicht berücksichtigt [...] wie die staatlichen Unternehmen zu einer Umstellung des Energiesystems beitragen können.“

BUND-Vertreter Oliver Wendenkampf: „Vattenfall will das Klima weiter aufheizen, seine Profite steigern und dafür ein besonders schützenswertes Gebiet im Natura 2000 Netz opfern. Die Folgekosten durch den Klimawandel und den Verlust der Natur zahlen am Ende wir alle. Am Beispiel Lacoma zeigt sich, wie ernst es der schwedischen Regierung und Vattenfall mit dem Klimaschutz und dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist.“

MJV Vorstandsmitglied Kajsa Lindqvist ergänzt: „Allein die CO2 Emissionen von Vattenfall in Deutschland sind genauso groß wie die CO2 Emissionen von ganz Schweden. Durch den Verzicht auf die Zerstörung der Teichlandschaft könnte genauso viel CO2 eingespart werden, wie derzeit durch den gesamten schwedischen Wohn- und Dienstleistungsbereich freigesetzt wird. Hier geht es um die Glaubwürdigkeit der schwedischen Regierung. In Schweden wäre die Durchführung eines solchen Projektes mit dieser unsinnigen Naturzerstörung undenkbar, doch in Deutschland gehört dies zum Alltag von Vattenfall.“

„Wenn so viele Menschen ihre Stimme für die Lacomaer Teiche erheben, müsste es eigentlich in den Ohren der Vattenfall-Manager und der verantwortlichen Politiker klingeln. Man kann sich nicht ungestraft in Konzernbroschüren als umweltbewusstes Unternehmen darstellen und dann ohne Rücksicht auf Verluste eine für den Naturschutz und die Erholung der Menschen wertvolle Landschaft vernichten. Vor allem weil sich auch ohne die Kohle unter dem Lacomaer Teichgebiet mit dem Kraftwerksstandort Jänschwalde lukrative Gewinne erzielen lassen, würde

die geplante Zerstörung dieser jahrhundertealten Kulturlandschaft einzig dem Energiekonzern Vattenfall zu neuen Rekordgewinnen verhelfen“, so BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm.

Erst 2004 wurde das Lacomaer Teichgebiet an die EU-Kommission als Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung gemeldet und sollte in das Natura 2000 Schutzgebietssystem aufgenommen werden. Es ist die Heimat für über 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie für Schwarzstorch, Fischotter und Eremit (einer prioritären Art nach EU Flora-Fauna-Habitat Richtlinie). Hier leben auch rund 5000 streng geschützte Rotbauchunken, eines der größten Vorkommen dieser Art in Deutschland. Die geplanten Ausgleichsmaßnahmen für die Zerstörung des Teichgebietes sind ungenügend und kommen viel zu spät. Ihr Erfolg ist äußerst zweifelhaft und kann erst in Jahren beurteilt werden – lange nach der geplanten Zerstörung der ursprünglichen Lebensräume. Besonders fraglich sind die geplanten Ausgleichsmaßnahmen für den besonders streng geschützten Eremiten. Obwohl dieser Käfer als Schirmart für Hunderte weitere Arten steht, sollen lediglich die abgesägten Nistbäume des Eremiten an eine andere Stelle versetzt werden, für den zerstörten Lebensraum beginnt jedoch der Ausgleich erst in Jahrzehnten zu wirken.

Die Grüne Liga klagt seit Dezember 2006 gegen das Vorhaben Vattenfalls mit Unterstützung der Umweltverbände BUND, NABU und ROBIN WOOD vor Gericht. Weitere Informationen, Hintergründe und die aktuelle Prominentenliste der Unterzeichner der Resolution sind unter www.bund-brandenburg.de (Hintergrund/Naturschutz/Lacomaer Teiche) abrufbar.

Pressekontakte:

Oliver Wendenkampf, Friends of the Earth Germany, Mobil: 0049 – 172 – 38 72 077, E-Mail: oliver.wendenkampf@bund.net, Internet: www.bund-brandenburg.de

Kajsa Lindqvist, Vorstand MJV, Mobil: 0046 - 702 - 77 31 29, Email: kajsa.lindqvist@gmail.com, Internet: www.mjv.se

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/vattenfall-beschleunigt-klimakollaps/