25. Juli 2007

Schaden macht klug? Nicht an der Oder! Brandenburg und Polen setzen weiter auf Deiche

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zieht nach zehn Jahren eine ernüchternde Bilanz: Brandenburg setzt weiter auf technischen Hochwasserschutz. Die Deiche wurden verstärkt, begradigt und erhöht. Die Erfahrungen aus dem Oderhochwasser wurden beim Hochwasserschutzkonzept kaum berücksichtigt. Natürliche Überflutungsflächen wurden kaum geschaffen.

So hatte 1997 der damalige Umweltminister Matthias Platzeck unter dem Motto „Gebt den Flüssen ihren Raum zurück“ 6.000 ha natürliche Rückhalte- und Überflutungsflächen gefordert. Heute gibt es gerade mal 115 ha gewonnene Fläche durch Deichbegradigung. 1400 ha in der Neuzeller Niederung könnten noch dazu kommen.

Trotz der damaligen Lippenbekenntnisse des Umweltminister Platzeck wurden die so dringend notwendigen natürlichen Überflutungsflächen für die Oder bis heute nicht umgesetzt. Ohne aus den Erfahrungen der verheerenden Flut gelernt zu haben, werden die Finanzen auch weiterhin in höhere und festere Deiche gesteckt.

Im Angesicht der Oderflut ist es außerdem geradezu erstaunlich, dass der heutige Brandenburgische Ministerpräsident eine wirksame Reform des Hochwasserschutzgesetz auf Bundesebene verhinderte, als es darum ging, die Überschwemmungsflächen bundesweit von der landwirtschaftlichen Nutzung des Ackerbaus zu befreien. So wird hinter den Deichen weiter gebaut, als wenn es nie eine Oderflut gegeben hätte.

Außerdem wurde nach dem Jahrhunderthochwasser im Oderbruch die einmalige Chance vertan, gefährdete Siedlungsräume, wie zum Beispiel die damals überflutete Ernst-Thälmann-Siedlung, aus dem Gefahrenbereich der Oder herauszunehmen. Die vielen gespendeten Millionen wären für einen Neuaufbau der Siedlung an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt gewesen.

„Wirksamer Hochwasserschutz im 21 Jahrhundert muss mehr sein, als reine Deichsanierung und Deichbegradigung. Grenzüberschreitende Konzepte zur Rückgewinnung alter Überflutungsflächen sind gefragt. Anstatt aus den Fehlern der letzten Jahrzehnte gelernt zu haben, überbieten sich Polen und Deutsche mit immer höheren und besseren Deichen. Die Konsequenz eines erneuten Oderhochwasser wären dann höhere und schnellere Flutwellen mit den entsprechenden Folgen,“ so Burkhard Voß Landesvorsitzender vom BUND Brandenburg.

Pressekontakt: Axel Kruschat, Landesgeschäftsführer, Tel. 0331-23700141, E- Mail: bund.brandenburg@bund.net; Maik Heunsch, Pressestelle, Tel. 0331-23700142, E-Mail: presse.brandenburg@bund.net

 




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