5. Mai 2005

Breitbandgifte beseitigen nicht die Ursache!

Grundsätzlich spricht sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband Brandenburg (BUND Brandenburg) gegen einen Einsatz von Insektiziden, insbesondere von Breitbandgiften, in Schutzgebieten zur Bekämpfung des Nonnenbefalls aus. Zwingend erforderlich zur Vermeidung von massenhaften Schädlingsbefall ist den ökologischen Waldumbau in Brandenburg voranzubringen und bei gleichzeitiger Abkehr von Monokulturbeständen eine vielfältige Waldstruktur zu fördern.

"Der Einsatz von Breitbandgiften gegen sogenannte Forstschadinsekten wie die Nonne, ist ein schwerer Eingriff ins Ökosystem." So Burkhard Voß, BUND Landesvorsitzender. "Nicht nur der sogenannte Schädling wird von den Pestiziden getroffen, sondern die gesamte Flora und Fauna des Waldes wird beeinträchtigt."

Viele Insekten, vor allem Schmetterlinge, die in der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen, werden mit vernichtet. Durch die Abtötung der Insektenfauna, fällt darüber hinaus ein Großteil des Nahrungsangebotes für verschiedenste Vogelarten wie Meisen, Grasmücken und Laubsänger weg, deren Jungvögel dann qualvoll zu Tausenden verhungern müssen. Gleiches gilt für die Fledermäuse. Greifvögel, Adler, Kraniche werden durch die Hubschrauber von ihren Nestern vertrieben und lassen Eier und Junge im Stich. Der Hubschraubereinsatz verstößt gegen die im Brandenburger Naturschutzgesetz festgelegten Horstschutzzonen. Nach dem Gesetz sind alle forstlichen Arbeiten mit Maschineneinsatz in der Brutzeit verboten. Die Gifte werden außerdem in Pflanzen, im Boden und langfristig auch im Grundwasser angereichert und wirken von dort aus letztendlich auf den Menschen zurück.

Zum Hintergrund:

Bei der betroffenen Fläche handelt es sich um 1.486 ha des 9.829 ha großen NSG "Heidehof-Golmberg", von denen 8.708 ha zudem als FFH-Gebiet geschützt sind. Etwa 50 % des Gebietes sind Wald. Die übrigen Bereiche bestehen u.a. aus Heide,Trockenrasen sowie feuchtem und mesophilen Grünland. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an Lebensraumtypen und Vorkommen von Arten der Anh. I u. II der FFH RL. Ziel ist der Erhalt oder die Entwicklung der Lebensraumtypen nach Anhang I und der Arten nach Anhang II der FFH - Richtlinie. Hierzu gehört die Entwicklung großflächiger natürlicher Eichenwaldgesellschaften.

Bei dem beabsichtigten Einsatz von Insektiziden im NSG "Heidehof-Golmberg" handelt es sich um eine rein forstwirtschaftliche Maßnahme, die, würde sie nicht mit Steuergeldern finanziert, wahrscheinlich von keinem Waldbesitzer durchgeführt würde. In den meisten anderen Bundesländern finden solche Einsätze seit Jahren aus wirtschaftlichen und Naturschutzgründen nicht mehr statt.

Insbesondere sind die folgenden Arten durch den Einsatz der Insektizide betroffen:

Arten, die im Anhang II der Richtlinie 92/43/EWG aufgeführt sind:

Säugetiere

Barbastella barbastellus (Mopsfledermaus)

Myotis bechsteini (Bechsteinfledermaus)

Myotis myotis (Großes Mausohr)

Amphibien

Triturus cristatus (Kammmolch)

Wirbellose

Cerambyx cerdo (Eichenbock)

Lucanus cervus (Hirschkäfer)

Vögel

Aegolius funereus (Rauhfußkauz)

Caprimulgus europaeus (Ziegenmelker)

Arten gemäß Anhang I der Richtlinie 79/409/EWG:

Zugvögel

Falco subbuteo (Baumfalke)

Upupa epops (Wiedehopf)

Andere bedeutende Arten der Fauna und Flora

Bufo calamita (Kreuzkröte)

Lacerta agilis (Zauneidechse)

Pelobates fuscus (Knoblauchkröte)

Rana arvalis (Moorfrosch)

Nach Abwägung der wirtschaftlichen Interessen der Eigentümer und der Interessen des Naturschutzes kann im Bereich des NSG "Heidehof - Golmberg" eine Nonnenbekämpfung mit Insektiziden nicht zugelassen werden.

Schwerpunkte der Forstwirtschaft im NSG "Heidehof - Golmberg" müssen der Umbau der Forsten zu Wäldern und biologische Schutzmaßnahmen sein. Insbesondere dem Schutz und der Förderung insektenfressender Vögel, der Ameisen und waldbewohnender Fledermäuse kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Diese Arten werden durch ökologische, moderne Waldwirtschaft, die eine vielfältige Waldstruktur schafft, gefördert. Bei der FSC-zertifizierten Waldwirtschaft ist der Einsatz von Insektiziden nicht notwendig, weil mit einem artenreicheren Wald gewirtschaftet wird, der ein stabileres Ökosystem darstellt.




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