BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


21. Juni 2005

Kein Kormoranabschuss in Schutzgebieten!

Zahlreiche Anträge auf Tötungs- und Vergrämungsmaßnahmen von Kormoranen in Schutzgebieten hat der Landesfischereiverband an das Umweltministerium gestellt. Betroffen wären über 40 Naturschutzgebiete und ein Dutzend EU-Vogelschutzgebiete. Der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. Landesverband Brandenburg (BUND Brandenburg) ist entsetzt, da hier die Ausnahmeregelung klar überschritten wird. Der BUND plädiert vielmehr für eine extensive und naturnahe Fischproduktion, mit der ein ,Kormoranproblem" gar nicht erst auftreten würde.

Kormorane sind geschützt. Tötungs- und Vergrämungsmaßnahmen sind nur mit bestimmten Einschränkungen zugelassen, in Schutzgebieten nur in Ausnahme- und Einzelfällen. Nun haben zahlreiche brandenburgische Fischereibetriebe beim Umweltministerium Anträge auf Zulassung derartiger Maßnahmen gestellt. Allerdings befinden sich die betroffenen 171 Gewässer in Natur- und EU-Vogelschutzgebieten. Betroffen wären über 40 Naturschutzgebiete, ein Dutzend EU-Vogelschutzgebiete und 1 Nationalpark.

Der Landesfischereiverband begründet die beantragten Maßnahmen mit "erheblichen fischereiwirtschaftlichen" Schäden durch Kormorane. "Ein altes Vorurteil, für welches bisher jeglicher Beweis fehlt", betont BUND Landesvorsitzender Burkhard Voß. Er stellt klar: "Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Belege über Rückgänge an Fischbeständen durch Kormorane."

Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass Abschuss- und Vergrämungsmaßnahmen langfristig gesehen wirkungslos sind. Verluste wurden innerhalb kürzester Zeit wieder ausgeglichen. Der BUND plädiert stattdessen für ein generelles Umdenken in der Fischzucht. Ziel muss es sein, die Fischproduktion extensiver und naturnäher zu gestalten, z.B. durch Reduzierung der Besatzdichte in den Anlagen. Bezeichnenderweise richten Kormorane in natürlichen Gewässern keine nennenswerten Schäden an. Teichgebiete mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt sind der beste Schutz vor Kormoranen und sollten deshalb ein gemeinsames Ziel der Fischerei und des Naturschutzes sein.

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/61/artikel/kein-kormoranabschuss-in-schutzgebieten/