11. August 2004
Unvollständige Gutachten und keine Kontrollmessungen im Kraftwerk Jänschwalde?
Nachdem die Auslegung anlässlich der aktuellen Änderungsgenehmigung zur Verbrennung von aufbereitetem Hausmüll aufgrund von Formfehlern wiederholt werden musste, erhebt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Brandenburg weitere Einwendungen.
Die Vattenfall Europe AG möchte bereits Ende diesen Jahres zwischen durchschnittlich 48 bis max. 80 Tonnen pro Stunde (ca. 400.000 - 640.000 Jahrestonnen!) Sekundärrohbrennstoff aus Müll (SBS) im technisch veralterten KW Jänschwalde mitverbrennen. Allein durch die geplante Mitverbrennung von Müll-SBS würden jedes Jahr zusätzlich ca. 100 kg Quecksilber aus den Kühltürmen geblasen. Weitere 500 kg Quecksilber werden bereits aus der Braunkohleverbrennung jährlich in der Abluft freigesetzt. Statt Abluftreinigungseinrichtungen wie sie moderne Müllverbrennungsanlagen haben nachzurüsten, hat die Vattenfall Europe AG weitere Ausnahmegenehmigungen beantragt, um Kosten zu sparen und dabei die Umwelt und die Menschen in der Region noch stärker zu belasten. Und das trotz steigender Profite im letzten Geschäftsjahr. Auch ein vorzeitiger Baubeginn wurde beantragt, um als "Altanlage" noch mehr Schadstoffe aus den Kühltürmen zu pusten.
Die beantragten Ausnahmegenehmigungen und Befreiungen werden vom BUND Brandenburg scharf kritisiert, da z.B. an den lungengängigen Feinstaub viele Schwermetalle und Dioxine gebunden sind, Lachgas als Klimakiller gilt und Quecksilber schon bei geringen Mengen zu ernsthaften Nervenschädigungen führt. Unverständlich ist daher der Verzicht u. a. auf kontinuierliche Staub-, Quecksilber- und Lachgasmessungen.
Der BUND Brandenburg bemängelt die Umweltverträglichkeitsuntersuchung als zentrales Entscheidungsinstrument zur Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit. Aktuelle Grenzwerte der Bodenschutzverordnung wurden ignoriert und die Messung der Immissionsvorbelastung unterlassen. Auch die Auswirkungen auf das Oberflächenwasser und der darin lebenden Fische z.B. Peitzer Karpfen sind völlig unzureichend betrachtet worden.
Der BUND fordert deshalb Bodenvorbelastungs- und Oberflächenwasseruntersuchungen, Untersuchungen zur Auswirkung auf die angrenzenden Schutzgebiete von europäischer Bedeutung (FFH-Gebiet Peitzer Teiche, SPA-Gebiet Peitzer und Bärenbrücker Teiche) sowie regelmäßige Kontrollmessungen und vor allem eine moderne Abgasreinigung. Wenn diese Mindestforderungen nicht erfüllt werden, darf eine Mitverbrennung von Müll in Jänschwalde keinesfalls genehmigt werden.
Der BUND appelliert an die Bürger - insbesondere im Umfeld des Kraftwerkes - zahlreich am öffentlichen Erörterungstermin am 1. September 2004 ab 10 Uhr im Gasthaus Kastanienhof in Tornow-Preilack zu erscheinen, aber auch von Ihren Kreis- und Gemeindevertretern Auskunft zu den Belastungen durch das Kraftwerk zu fordern.