BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


20. Januar 2004

EU-Beschwerde zum Ausbau der B 96neu Ortsumgehung Dahlewitz / Glasow eingeleitet

Der BUND Brandenburg und das Büro anerkannter Naturschutzverbände haben bei der Generaldirektion der Europäischen Kommission bezüglich der Bauvorhaben B 96neu südlich von Berlin und des geplanten Ausbaus Flughafen Schönefeld eine Beschwerde eingereicht, da das europäische Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Glasowbachniederung und das Vogelschutzgebiet Rangsdorfer See negativ beeinträchtigt werden.

Die Glasowbachniederung stellt neben der Zühlowgrabenniederung die einzige, noch weitgehend naturnah erhaltene, durchgängige Entwässerungsrinne der Teltow-Hochfläche dar. Sie ist Lebensraum für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten und wurde daher als Schutzgebiet von europäischer Bedeutung (FFH-Gebiet) ausgewiesen.

Durch dieses Gebiet soll die planfestgestellte B 96neu geführt werden. Sie zerschneidet die Glasowbachniederung in naturräumlich stark empfindlichen Bereichen und verläuft in unmittelbarer Nachbarschaft zum ausgewiesenen FFH-Gebiet. Die Straße ist als Ortsumgehung für die Gemeinden Dahlewitz und Glasow sowie als Zubringer für den Flughafen Berlin-Brandenburg geplant. Die für die Projektierung der Verkehrstrasse zugrunde gelegten Verkehrsdaten gehen von einer Verdopplung des Verkehrs bis zum Jahre 2014 aus. Diese Verkehrsprognosen sind bei gegenwärtig rückläufigen Bevölkerungsentwicklungen nicht mehr aktuell.

Besonderes Schutzziel für das FFH-Gebiet Glasowbachniederung ist die Erhaltung des Lebensraums für den Fischotter und seltener Planzengesellschaften. Weiterhin kommen hier geschützte Vogelarten vor wie z.B. der Eisvogel, die Rohrweihe, der Rotmilan, der Kranich, der Weißstorch und der Wachtelkönig. Mit dem Bau der B 96neu sind negative Beeinträchtigen für diese Arten zu erwarten. So bezweifelt auch das Ministerium für Landwirtschaft Umweltschutz und Raumordnung Brandenburg, dass der Otterdurchlass mit einer Gesamtlänge von 60 m angenommen wird. Die vorgesehenen über 100 m langen Amphibienleiteinrichtungen werden aufgrund ihrer Länge ebenfalls nicht funktionieren. Der Glasowbach hat darüber hinaus wichtige Funktionen im Biotopverbundsystem zwischen dem Naturschutzgebiet (NSG) und europäischen Vogelschutzgebiet (Importend Bird Area IBA) ,Rangsdorfer See" und dem NSG ,Blankenfelder See".

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Brandenburg kritisiert daher die Dimensionierung des doppelspurigen Ausbaus für beide Fahrtrichtungen mit umfangreichen Brückenbauwerken zur Anbindung untergeordneter Kreis- und Landesstraßen. Eine Alternative zur nunmehr planfestgestellten B96neu wäre der Ausbau und die Optimierung der vorhandenen B 96 gewesen. Auch die prognostizierte Entlastungswirkung für die Ortschaften werden vom BUND Brandenburg geringer erwartet, da der Quell- und Zielverkehr weiterhin innerörtlich zu Belastungen führen wird. Weiterhin kritisiert der BUND Brandenburg die Einleitung von Regenwasser in den Glasowbach durch den geplanten Ausbau des Flughafen Schönefelds. Hierfür wären Ausbaumaßnahmen am Glasowbach erforderlich, da der Glasowbach in seinem jetzigen Zustand diese Wassermengen nicht aufnehmen kann. Die Grundräumung des Gewässers führt durchschnittlich zu einem Artenrückgang von 10-15%. Mit erheblichen Auswirkungen auf das FFH-Gebiet Glasowbach wird deshalb gerechnet.

 

Die Europäische Kommision wurde daher vom Büro der anerkannten Naturschutzverbände aufgefordert, beide Bauvorhaben bezüglich ihrer Auswirkungen auf das FFH-Gebiet Glasowbachniederung und das Vogelschutzgebiet der Niederung Rangsdorfer See /Prierow See (IBA-Gebiet) zu überprüfen.

Rückfragen: 0331 - 237 00 141


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/67/artikel/eu-beschwerde-zum-ausbau-der-b-96neu-ortsumgehung-dahlewitz-glasow-eingeleitet/