BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


15. Januar 2004

Ortsumgehung - Nein Danke!

BUND kritisiert die im Bau befindliche Ortsumgehung Luckenwalde B101n, da sie Flora und Fauna gravierend beeinträchtigt und neuer Verkehr erzeugt wird.

Die Begründung für die Ortsumgehung Luckenwalde basiert auf einer Prognose für die Verkehrsbelastung für das Jahr 2012. Die Prämissen der angenommen Verkehrszunahme von zirka 50% sind nicht genannt und damit fraglich, ebenso fraglich ist die Notwendigkeit dieses Projektes.

Fakt ist, dass neue Straßen zur Erhöhung des gesamten Verkehrsaufkommens im Straßennetz führen, was auch in den Prognosezahlen der Planungsunterlagen berücksichtigt wurde. So ist in der Prognose für 2012 im Vergleich der Situation ohne Umgehungsstraße, mit der der Umgehungsstraße die Verkehrszunahme erheblich. An der südlichen Einmündung würde ein Anstieg um 3 500 Kfz pro Werktag mit Ortsumgehung festzustellen sein.

Entlastungswirkungen sind von diesem Vorhaben nur begrenzt zu erwarten, da diese nur vom Durchgangsverkehr möglich sind. Der Quell- und Zielverkehr wird weiterhin innerörtlich zu starken Verkehrsbelastungen führen. Auch mit bestehen der Ortsumgehung führt die Verbindung der Landesstraßen L80 und L73 in West-Ost-Richtung durch die Innenstadt.

Die Ortsumgehung Luckenwalde führt zu gravierenden Beeinträchtigungen der Umwelt und der Anwohner. Die Siedlung Frankenberger Berg wird stärker verlärmt und mit Schadstoffen belastet.

Die Flächeninanspruchnahme durch das Projekt und die Bautätigkeit führt zu Bodenverdichtungen und -versiegelungen, einhergehend mit dem Verlust vieler Bodenfunktionen, z. B. verminderte Grundwasserneubildung. Vom Bauvorhaben unmittelbar betroffen sind 50ha FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat), in dem europaweit geschützte Vögel und Pflanzen leben. Der Lebensraumverlust betrifft viele weitere Tiere von Schmetterlingen, über Heuschrecken bis zu Käfern. Beeinträchtigungen finden ebenfalls durch die Zerschneidung der Lebensräume statt, betroffen sind beispielsweise die Arten Dachs, Baummarder, Feldhase, Damhirsch, Rothirsch, Reh, ebenso die Frösche und Kröten. Letztere könnten durch Amphibienleiteinrichtungen geschützt werden, wovon allerdings 1700 Meter fehlen. Darüber hinaus wird das naturschutzfachlich hochwertige Hammerfließ durch ein Brückenbauwerk beeinträchtigt.

Fraglich ist, ob diese gravierenden Auswirkungen, die eine Ortsumgehungsstraße zur Folge haben, gerechtfertigt sind. Vielmehr ist eine Selbstverstärkung des Verkehrsaufkommens zu befürchten, das dann die Umwelt- und Lebensqualität des Umlandes und der Stadt Luckenwalde dauerhaft schadet.

 


Quelle: http://archiv.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/browse/67/artikel/ortsumgehung-nein-danke/