18. Dezember 2015
BUND kritisiert die Ablösung des Leiters des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin
In diesem Vorgang sieht der BUND LV Brandenburg ein weiteres Zeichen dafür, dass das Land Brandenburg seine Ziele im Natur- und Umweltschutz immer weiter zurückschraubt.
Nach der Personalrochade zwischen den Präsidenten des Landesumweltamtes und des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung vor genau einem Jahr ist die Abberufung Martin Flades als Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung ein neuer Fall, in dem ein fachlich höchst anerkannter Naturschützer seinen Platz in der Behörde räumen muss.
Die Verwaltung des Biosphärenreservats musste mehrere Jahre lang ohne einen Leiter mit einer vollen Stelle auskommen. Die wichtige Position für Öffentlichkeitsarbeit und nachhaltige Entwicklung wurde seit dem Sommer nicht wieder besetzt. Wie in anderen Großschutzgebieten und bei der Naturwacht wurden in den letzten Jahren viele Stellen abgebaut. Auch die von der früheren Umweltministerin Anita Tack zugesagten zusätzlichen Personalstellen im Zusammenhang mit der Ausweisung des Weltnaturerbes Buchenwald Grumsin sind nach bis heute nicht geschaffen. Martin Flade hat sich in dieser schwierigen Situation während seiner kurzen Amtszeit intensiv bemüht die Arbeit seiner Verwaltung besser zu strukturieren und Kontakt mit den Akteuren im Biosphärenreservat gesucht.
Bei der Erstellung der FFH-Managementpläne, die nach Europarecht in allen Schutzgebieten Brandenburgs erstellt werden müssen, fehlt die klare Positionierung und Unterstützung durch das Landwirtschaftsministerium. So wurden gerade in der Schorfheide Angriffe von Landnutzern und Eigentümern auf lokaler Ebene gegen diese Naturschutzfachplanung geführt. Dabei fällt auf, dass viele Landnutzer nicht mehr den Interessenausgleich suchen, sondern die kompromisslose Umsetzung ihrer Ansprüche fordern und darin von Landesregierung, insbesondere der SPD, bestärkt werden.
In anderen Bereichen schafft es das Ministerium seit vielen Jahren noch nicht einmal, für die NATURA 2000-Gebiete die erforderlichen Schutzgebietsverfahren durchzuführen, um den Schutzstatus in nationales Recht zu überführen.
„Mit der Abschaffung des Nachhaltigkeitsbeirats hatte Minister Vogelsänger bereits zu erkennen gegeben, dass er an langfristiger Natur- und Umweltschutzpolitik kein Interesse hat.“ so Thomas Volpers, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Brandenburg. „Die Versetzung Martin Flades passt hingegen durchaus zu den nach wie vor in Rede stehenden Plänen der Landesregierung die Nationalen Naturlandschaften im Land möglichst den Landkreisen zur Verwaltung zu überlassen. Qualifizierter Naturschutz, wie er im Land zu Beginn der 90er Jahre in Brandenburg gemacht wurde, sieht anders aus.“