Viele Artgenossen auf wenig Raum, Stress, Hitze, Hygieneprobleme – ohne Hilfsmittel funktioniert die Intensivtierhaltung („Massentierhaltung“), bei der Tiere chronisch überfordert werden, nicht. Um das System der Fleischerzeugung in industriellem Maßstab aufrechterhalten zu können, werden Antibiotika eingesetzt, und das in großem Stil.
Die Medikamente werden dabei nicht nur kranken Tieren verabreicht. Denn Antibiotika verändern den Stoffwechsel und dienen somit der besseren Futterverwertung und dem schnelleren Fleischzuwachs. Es ist zwar mittlerweile verboten sie als "Leistungs- und Wachstumsförderer" einzusetzen, aber diese Praxis läuft routinemäßig weiter unter dem Deckmantel der "Metaphylaxe": Wenn einzelne Tiere krank sind, werden gleich alle anderen im Stall "vorsorglich" mitbehandelt.
Gefahr durch resistente Keime
In Deutschland werden bei der Billigfleischproduktion noch immer über 1200 Tonnen Antibiotika eingesetzt, doppelt so viel wie in der Humanmedizin. Die Folge dieser häufigen und oft willkürlichen Antibiotikagaben: Immer mehr Bakterien werden gegen Antibiotika resistent, zum Teil gegen mehrere gleichzeitig. Befallen diese "multiresistenten" Keime Menschen oder Tiere wirken die herkömmlichen Antibiotika nicht mehr. Schätzungsweise 10 000 bis 15 000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Infektionen mit solchen Keimen. Der BUND hat 2012 und 2015 in Tests nachgewiesen, dass Hähnchen- sowie Putenfleisch aus Discountern und Supermärkten häufig mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet ist. Aber auch Gemüse kann betroffen sein, wenn die Keime beispielsweise durch Düngung mit Gülle auf die Felder gelangt.