Wie sind Sie zum Naturfreund/Moorfreund geworden? Gab es Schlüsselerlebnisse?
Ich habe meine Kindheit und Jugend in Heide und Aue verbringen dürfen, Natur war das Normale. Als schon damals mir lieb gewordene Gewässer und Quellen aus meiner Umgebung durch Trockenlegung verschwanden, spürte ich den Verlust und den inneren Drang, dagegen etwas tun zu müssen. Meine Ausbildung und meine ersten Stationen im Berufsleben verbrachte ich in städtischen Milieus. Da wurde mir der Verlust der Naturnähe schmerzlich bewusst und ich gründete in Magdeburg die wohl erste Arbeitsgruppe Stadtökologie der DDR. Nach der Wende schloss ich mich dem BUND an.
Sie sind Träger des Euronaturpreises. Hat sich dadurch an der Wahrnehmung der Mitmenschen/Medien etwas verändert?
Das kann ich schwer messen, ich habe mich dadurch nicht verändert.
Wie schätzen Sie die aktuelle Situation an der Elbe, den Hochwassergebieten und den angeschlossenen Auen und Mooren ein?
Aktuell sind diese Lebensräume reichlich mit Wasser versorgt – auf Grund der Hochwassersituation. Dass das Wasser bis in die Siedlungen und Häuser eindringt, ist dem Versagen der Flusspolitik zuzuschreiben, nicht dem „bösen Fluss“. Er tut nur das, was sein Job ist, nämlich Wasser ableiten. Da unseren Flüssen aber über 80% ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen geraubt und vielfach begradigt wurden, wird es eng, zu eng bei extremen Niederschlägen. Den Fluss zu verdammen schützt uns nicht wirklich, wenn wir ihm nicht auch ein Mindestmaß an Auen und Mooren als natürliche Wasserspeicher überlassen.
2002 gab es das letzte „Jahrhunderthochwasser“. Nun haben wir das Jahr 2013 und schon wieder werden Siedlungen überschwemmt und Sandsäcke gefüllt. Was für Entwicklungen gab es in den letzten 11 Jahren.
Positive: Es gab einige wenige Auenrenaturierungen, darunter das Projekt des BUND in Lenzen. Dort erhielt der Fluss über 400 ha ehemaliger Überschwemmungsfläche zurück. In der Folge sinken die Wasserstände bei Hochwasserereignissen, die angrenzenden Städte, wie Schnackenburg und Lenzen werden entlastet. Auch an der Mittelelbe zwischen Aken und Breitenhagen läuft eine Rückdeichung über 600 ha, sie soll 2018 fertig sein. Rückdeichungen sind der beste Schutz vor zerstörerischen Flutwellen, der Wasserabfluss wird entschleunigt, Hochwasserstände werden gesenkt.
Negative: Es wurde allzu sehr auf den technischen Hochwasserschutz gesetzt: Deiche wurden erhöht und verstärkt, also aufgerüstet. Das ist in Ordnung, wenn es um den Schutz von Siedlungen geht. Das ist aber kontraproduktiv, wenn dadurch auch große Teile der Altauen vom Fluss abgeriegelt werden. 98% der öffentlichen Gelder wurden in technische Anlagen gesteckt, nur knapp 2% flossen in den ökologischen und nachhaltigen Hochwasserschutz, um den Flüssen mehr Raum zu geben.
Sie kennen nun den Ansatz des Projekts des BUND Brandenburg zum Wasserrückhalt im Heidemoor Hennersdorf. Wie ist Ihr erster Eindruck von unserem Projekt?
Klein aber fein! Es ist ein Projekt, was unbedingt Schule machen sollte, derartige Maßnahmen sollten in jedem Landkreis, in jeder Kommune angestoßen werden. Nur so können wir den zunehmenden Extremereignissen im Witterungsgeschehen entgegenwirken: Speicherung in nassen Zeiten, Wasserabgabe in Dürrezeiten. So regulieren wir den Landschaftswasserhaushalt auf intelligente und naturnahe Weise.
Der BUND LV Brandenburg möchte nun mehr Wasser in der Landschaft, alle anderen wollen gerade weniger Wasser haben. Was geben Sie den Menschen für die Zukunft mit auf den Weg?
Wenn wir nicht in den Fluten untergehen und in Trockenzeiten nicht verdursten wollen, müssen wir die natürlichen Wasserspeicher, nämlich Moore und Auen, wieder reaktivieren. Die Natur hat diese Ökosysteme aus guten Gründen erfunden. Wenn wir sie zerstören oder nicht wieder herstellen, zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen. Wasser ist die wohl wichtigste Lebensgrundlage. Wir müssen sorgsam damit umgehen und dürfen es nicht schnellstmöglich fortleiten oder gar verdammen...